Wissenschaft
Chemie-Nobelpreis für deutschen Forscher

Der diesjährige Chemie-Nobelpreis geht an Gerhard Ertl. Er erhält den mit 1,07 Millionen Euro dotierten Preis für seine Studien von chemischen Verfahren auf festen Oberflächen. Damit geht zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Wissenschaftspreis an einen Deutschen.

STOCKHOLM. Nach dem Physik- geht auch der Chemie-Nobelpreis in diesem Jahr an einen Deutschen. Gerhard Ertl wird mit dem höchsten Wissenschaftspreis für seine „Studien von chemischen Verfahren auf festen Oberflächen“ ausgezeichnet. In der Begründung der königlich-schwedischen Wissenschaftsakademie heißt es, der diesjährige Chemie-Nobelpreis zeichne grundlegende Arbeiten innerhalb der Oberflächenchemie aus.

Durch Ertls Forschungsergebnisse sei das Verständnis über so unterschiedliche Vorgänge wie das Rosten von Eisen, das Funktionieren von Brennstoffzellen und die Wirkung von Katalysatoren im Auto erleichtert worden. „Oberflächenchemie kann sogar die Zerstörung der Ozonschicht erklären, da wesentliche Schritte der Reaktion auf den Oberflächen kleiner Eiskristalle in der Stratosphäre stattfinden“, so das Nobelkomitee Nobelpreiskomitee. Ertl sei es gelungen, den Ablauf mehrerer wichtiger chemischer Reaktionen auf Oberflächen im Detail zu beschreiben. Damit habe er die Grundlagen für die moderne Oberflächenchemie geschaffen.

Ertl wurde 1936 in Bad Cannstadt geboren und feiert am heutigen Mittwoch seinen 71. Geburtstag. Der Chemiker ist emeritierter Direktor des Fritz Haber Instituts für physikalische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Er leitete das Institut von 1986 bis 2004, zuvor lehrte er in Kalifornien und lange Jahre an der Technischen Universität München. In einer ersten Stellungnahme sagte Ertl der Nachrichtenagentur AP, er habe mit dieser Ehrung nicht gerechnet, obwohl ihm bewusst gewesen sei, dass er zu den Kandidaten gehörte.

Der Nobelpreis für Chemie ist seit 1988 nicht mehr an einen Deutschen gegangen. Damals erhielten ihn Johann Deisenhofer, Robert Huber und Hartmut Michel für ihre Forschungen zur Photosynthese.Im vergangenen Jahr erhielt der US-Wissenschaftler Roger D. Kornberg den Chemie-Nobelpreis für seine Forschungen über das Ablesen von Genen in der Zelle.

Mit dem Chemie-Nobelpreis ist die Bekanntgabe der drei Wissenschaftspreise beendet. Am Montag dieser Woche waren zwei US-Amerikaner und ein Brite mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt worden. Einen Tag später ging der Physik-Nobelpreis an den Deutschen Peter Grünberg und den Franzosen Albert Fert.

Die noch ausstehenden Preisträger werden am Donnerstag (Literatur), Freitag (Frieden) und am kommenden Montag (Wirtschaft) bekannt gegeben. Die mit 10 Mill. Kronen (1,1 Mill. Euro) dotierten Auszeichnungen werden am 10. Dezember, dem Todestag ihres Stifters Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo den Preisträgern überreicht.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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