Wissenschaft
Der kleine Unterschied - Warum Männer anders sind

Er sagt „nach links“ und sie biegt selbstverständlich nach rechts ab. Männer gucken Sportschau und trinken Bier. Frauen quatschen am Telefon bis der Draht glüht. Das Mann-Frau-Thema hat der amerikanische Autor John Grey mit dem Titel seines Bestsellers „Männer sind anders.

dpa AACHEN. Er sagt „nach links“ und sie biegt selbstverständlich nach rechts ab. Männer gucken Sportschau und trinken Bier. Frauen quatschen am Telefon bis der Draht glüht. Das Mann-Frau-Thema hat der amerikanische Autor John Grey mit dem Titel seines Bestsellers „Männer sind anders.

Frauen auch“ einfach auf den Punkt gebracht. Wissenschaftler schauen in Aachen beim 32. Westdeutschen Psychotherapieseminar (15.-17.2.) genauer hin: Was macht Männer und Frauen so anders: Sind es die Gene, ist es die Erziehung oder die Gesellschaft?

„Wir haben viel zu lange den biologischen Faktor kleingeredet und verteufelt“, sagte der Bochumer Biopsychologe Professor Onur Güntürkün. Das Gehirn von Mann und Frau arbeite wegen seiner Unterschiede etwas anders. Dass Frauen öfter rechts und links verwechselten und manchmal mit der Orientierung auf Kriegsfuß stünden, liege zum Teil an der unterschiedlichen Hirnrinde und den damit verbundenen Denkprozessen. Auch die Veränderungen des Hormonhaushaltes der Frau wirken sich auf kognitive Prozesse im Gehirn aus.

Dass nicht ausschließlich die Erziehung Mädchen zu Prinzessinnen und Jungs zu Machos macht, das beweisen für ihn auch Versuche mit Affen. Autos wurden von Affenjungen bevorzugt, Bälle von Affenmädchen. „Hier können wir schwerlich von gesellschaftlichen und kulturellen Variablen sprechen“, meinte Güntürkün.

Die Erziehung ist eine Feinarbeit. Sie setze sehr unterschiedliche Prozesse zur Ausprägung des Männer- und Frauentypus in Gang. Mädchen spielten zwar lieber mit Puppen und Jungen mit Autos oder mit Pistolen. Dennoch gebe es auch Schnittstellen etwa bei Stofftieren und Legos. Durch die Erziehung könne sich eine enorme Variationsbreite von Persönlichkeiten ausbilden. Deshalb sei es gut, Kindern alle Angebote zu machen. „Man muss nicht erwarten, dass das Angebot dazu führt, dass geschlechtsneutrale Kinder erzeugt werden“, sagte Güntürkün und erzählte die Geschichte von seinem Sohn. Ihm schenkten er und seine Frau einen Puppenwagen. Der Junge habe den Puppenwagen mit Sand vollgepackt und Schubkarre gespielt.

Erziehung ist nach Angaben des Münchener Erziehungspsychologen Wassilios Fthenakis das entscheidende Kriterium, warum Männer etwa faktisch und Frauen emotional und sozial orientiert sind. Diese „Polarisierung“ in Familie und Schule mache Jungen zu Verlierern der Zukunft.

Die Welt sei kulturell divers geworden und komplexer. „Darauf zu reagieren, braucht man andere Kompetenzen, als früher in einer Welt, die geordnet und strukturstabil war“, sagte Fthenakis. Auf diese neuen Anforderungen könnten Jungen aufgrund ihrer Erziehung nicht angemessen reagieren. „Metaemotionale Kompetenzen“ würden in der Zukunft immer wichtiger: Situationen mit Denken und Fühlen zu erfassen, soziale Beziehungen zu regeln, Konflikte zu lösen. Das bekämen Jungen in einer typischen Erziehung nicht mit.

Die Auswirkungen der Erziehung habe er bei Untersuchungen im Kindergarten festgestellt: Jungen spielten gerne Machtspiele, sprächen wenig, äußerten wenig Emotionen, blieben in der Sprachentwicklung zurück. Mädchen spielten dagegen sehr differenziert, nähmen Emotionen von anderen wahr. Wegen dieser Unterschiede seien Jungen für Mädchen als Spielpartner nicht attraktiv. Mit 18 Jahren hinkten Männer in der metaemotionalen Kompetenz hinter den Frauen her, erläuterte Fthenakis. „Und deshalb haben wir heute das große Problem, dass die Verständigung in der Partnerschaft oft an der fehlenden Kompetenz der Männer scheitert.“

Dass Frauen die Macht übernehmen werden, ist für ihn nur noch eine Frage der Zeit. Jungen und damit später die Männer seien auf die neuen Herausforderungen nicht vorbereitet. „Sie scheitern und überlassen das Feld zunehmend den Frauen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%