Wissenschaft
Deutsche Forscher finden Risiko-Gen für Gallensteine

Deutsche Forscher haben ein Risiko-Gen für Gallensteine gefunden. Ist es verändert, verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit für solche Ablagerungen in dem Organ.

dpa KIEL/LONDON. Deutsche Forscher haben ein Risiko-Gen für Gallensteine gefunden. Ist es verändert, verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit für solche Ablagerungen in dem Organ.

Das berichtet eine Gruppe um Jochen Hampe von der Universität Kiel im Journal „Nature Genetics“ (online vorab veröffentlicht). An der Arbeit waren auch Forscher aus Greifswald, Köln, Berlin, Bonn und Santiago de Chile beteiligt.

Nach Angaben der Universität Bonn haben 15 bis 20 Prozent aller Deutschen Gallensteine - meist ohne es zu merken. Bei einem Viertel von ihnen melden sich die Steine aber irgendwann mit schmerzhaften Koliken zu Wort. In Deutschland gebe es jährlich mehr als 170 000 Gallenblasenoperationen. Henry Völzke von der Universitätklinik Greifswald betonte, dass trotz der Entdeckung des Risiko-Gens weiterhin Übergewicht und Fettleibigkeit als größte Risikofaktoren für Gallensteine gelten.

Zwar war seit langer Zeit bekannt, dass genetische Faktoren an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind. Es gab aber wenige konkrete Hinweise auf die betroffenen Erbanlagen. Für die Studie verglichen Hampe und seine Kollegen zunächst die Erbanlagen von 280 deutschen Patienten mit denen von 360 gesunden Kontrollpersonen. Dabei ergaben sich an 235 Stellen des Erbgutes besonders deutliche Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen, erklären die Wissenschaftler. Diese Positionen analysierten die Forscher im zweiten Schritt bei insgesamt 1 105 Betroffenen und 873 Kontrollpersonen.

Dabei stellte sich heraus, dass eine Variante in der Sequenz des Gens Abcg8 mit der Krankheit in Zusammenhang steht. Träger der Mutation haben ein doppelt so hohes Risiko, Gallensteine zu bekommen, heißt es in „Nature Genetics“. Dort findet sich auch eine mögliche Erklärung.

Die Gallenblase konzentriert Lebersekrete zum Gallensaft, der bei der Verdauung hilft. Wenn die Gallenflüssigkeit zu viel Cholesterin oder Bilirubin (ein Abbauprodukt roter Blutkörperchen) enthält, kristallisieren diese Substanzen in mehr oder weniger großen Körnern aus und verstopfen das Organ. Hampe und seine Kollegen vermuten nun, dass durch die Veränderung des Gens Abcg8 mehr Cholesterin in die Gallenflüssigkeit gelangt.

Die Forscher um Frank Lammert von der Universität Bonn hatten kurz zuvor im Journal „Hepatology“ (Nr. 46) eine ähnliche Arbeit vorgestellt. Zusammen mit seinen Kollegen und Experten der Universitätsklinik Cluj-Napoca in Rumänien fahndete er ebenfalls nach den beteiligten Erbanlagen. An der Studie nahmen 178 Frauen und Männer aus 84 Familien teil. Alle hatten Gallensteine. In 21,4 Prozent der Fälle waren die Betroffenen Träger der Abcg8-Genvariante. In gesunden Vergleichspersonen kam diese zwar auch vor, allerdings nur mit einer Häufigkeit von 8,6 Prozent.

Abcg8 enthalte die Bauanleitung für eine Pumpe, die das Blutfett Cholesterin aus der Leber in die Gallenwege befördert, heißt es auch in Bonn. Daraufhin laufe die Pumpe permanent auf „Hochtouren“, vermuten die Mediziner. Möglicherweise lasse sich Patienten künftig mit Medikamenten helfen, um Operationen zu verhindern, erklärte Lammert. Er rechnet noch mit mindestens drei oder vier weiteren Genvarianten, die das Gallenstein-Risiko erhöhen.

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