Wissenschaft
Deutsches Radarauge im All

Deutschland hat ein neues Radarauge im All: Der Satellit „Terrasar-X“ zur Erdbeobachtung ist am Freitagmorgen erfolgreich auf seine Umlaufbahn gebracht worden. Der Start am russischen Weltraumbahnhof Baikonur an Bord einer Dnjepr-Trägerrakete verlief planmäßig.

dpa BAIKONUR/OBERPFAFFENHOFEN. Deutschland hat ein neues Radarauge im All: Der Satellit „Terrasar-X“ zur Erdbeobachtung ist am Freitagmorgen erfolgreich auf seine Umlaufbahn gebracht worden. Der Start am russischen Weltraumbahnhof Baikonur an Bord einer Dnjepr-Trägerrakete verlief planmäßig.

Schon nach rund 20 Minuten empfing die Bodenstation Malindi in Kenia das erste Funksignal des Satelliten, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen berichtete. Zuvor war der Start wegen technischer Probleme an den Trägerraketen mehrmals verschoben worden. Das Projekt kostet 185 Mill. Euro.

„Das Ziel der fünf Jahre dauernden Mission ist die Erfassung von neuen und hochwertigen Daten der Erdoberfläche auf Radarbasis“, sagte DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner. Mit „Terrasar-X“ habe die Kartierung der Erde in einer neuen Qualität begonnen. „Terrasar-X“ soll besonders scharfe Radarbilder der gesamten Erde liefern, die der Wissenschaft, dem Katastrophenschutz sowie kommerziellen Zwecken dienen werden. Seine Umlaufbahn führt über die beiden Erdpole. Aus 514 Kilometern Höhe kann das Radarauge noch Details von bis zu einem Meter Größe erkennen. Es späht auch durch Wolken und ist - anders als optische Kameras - unabhängig vom Sonnenlicht. Die Daten sind etwa für den Küstenschutz, für die Klimaforschung, nach Erdbeben und auch für kommerzielle Kartenproduzenten interessant.

Durch die exakten Informationen über die Kontur der Erde können Wissenschaftler etwa vorhersagen, entlang welcher Wege das Wasser auf der Erdoberfläche fließt. Durch „virtuelles Fluten“ der digitalen Landschaft am Computer lassen sich die Auswirkungen lang andauernder Regenfälle simulieren sowie Überschwemmungen und deren Auswirkungen auf die Umwelt vorhersagen. Die Kombination von genauen Höhendaten mit Informationen über Straßen und Gebäude hilft Ingenieuren, Stromleitungen, Öl-Pipelines, Eisenbahnlinien und Brücken am Computer zu planen. Mobilfunkunternehmen können mit Hilfe eines Geländemodells die Ausbreitung der Funkwellen simulieren und die optimale Position ihrer Antennenmasten bestimmen. Aber auch für die Umweltüberwachung, für den Luftverkehr sowie für Raumplanung und Katastrophenschutz können die Daten dienen.

„Der Satellit wird Radardaten mit bisher unerreichter Qualität und Flexibilität liefern“, sagte der Geschäftsführer des Raumfahrtunternehmens EADS Astrium, Reinhold Lutz, das den Satelliten gebaut hat und einen Teil der Daten über eine Tochterfirma vermarkten wird. Der Fernerkundungssatellit ist ein Gemeinschaftsprojekt von DLR und EADS Astrium. Er wird zur Hälfte wissenschaftlich und zur Hälfte kommerziell genutzt.

Für 2009 ist der Start eines baugleichen Zwillingssatelliten geplant, der im Abstand von nur wenigen hundert Metern gemeinsam mit „Terrasar-X“ um die Erde kreisen soll. Dieses Duo namens „Tandem-X“ (Terrasar-X add-on for Digital Elevation Measurement) kann dann mit seinen zwei Radaraugen auch räumlich sehen und soll die komplette Landoberfläche der Erde innerhalb von nur drei Jahren vollständig dreidimensional vermessen. Ziel ist ein globales digitales Geländemodell mit einer unerreichten Genauigkeit. In einem Zwölf- Meter-Raster, das entspricht etwa der Breite einer größeren Straße, liefert das System auf zwei Meter genaue Höheninformationen.

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