Wissenschaft
„Dolly-Vater“ Ian Wilmut wendet sich vom Klonen ab

Der Schöpfer des Klonschafs Dolly, Ian Wilmut, hat sich völlig vom Klonen verabschiedet. Er setzte nun auf das Zurückprogrammieren von Hautzellen, sagte er in einem Interview mit dem Magazin „Bild der Wissenschaft“ (Aprilausgabe).

dpa STUTTGART. Der Schöpfer des Klonschafs Dolly, Ian Wilmut, hat sich völlig vom Klonen verabschiedet. Er setzte nun auf das Zurückprogrammieren von Hautzellen, sagte er in einem Interview mit dem Magazin „Bild der Wissenschaft“ (Aprilausgabe).

Japanische Forscher um Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto hatten im November menschliche Hautzellen in einen embryonalen Zustand zurückversetzt, so dass sie embryonalen Stammzellen ähnelten und sich in zahlreiche Gewebe entwickeln ließen. An dieser Technik möchte nun auch Wilmut arbeiten.

Noch 2005 hatte Wilmut eine Lizenz zum therapeutischen Klonen für Forschungszwecke erhalten. Inzwischen möchte der Schotte diese Technik aber nicht mehr anwenden, bei der das Erbmaterial von Menschen in eine entkernte Eizelle eingesetzt wird. „Ich habe meine Meinung geändert. Es ist nicht richtig, Frauen um Eizellspenden zu bitten, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit für das Klonen so gering ist“, sagte er dem Magazin. „Die Eizellspende bedeutet ein Risiko für die Frauen, wenn auch nur ein geringes“, sagte Wilmut. „Wir werden das definitiv nicht mehr machen.“

Wilmut, der inzwischen an der Universität Edinburgh arbeitet, hat dem Magazin zufolge im Februar damit begonnen, Hautzellen von Patienten mit der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zurück zu programmieren. Diese Zellen möchte er dann zu Nervenzellen heranwachsen lassen, um neue Wirkstoffe daran zu testen. Derzeit sei es noch zu früh, die sogenannten iPS-Zellen in Patienten einzusetzen. Dennoch ist er sicher: „Die iPS-Zellen werden früher oder später den embryonalen Stammzellen den Rang ablaufen.“

Verzichten könne die Forschung auf embryonale Stammzellen jedoch noch nicht. „Wir werden zunächst die embryonalen Stammzellen als Referenzsystem brauchen. Aber irgendwann wird deutlich werden, dass die reprogrammierten genauso gut sind.“ Einen Zeitpunkt für Erfolge mit iPS-Zellen mochte der Forscher angesichts vieler früherer Spekulationen zum Klonen nicht nennen. „Eines kann ich Ihnen jedoch versichern, sagte der 63-Jährige. „Bis zu meinem Ruhestand bleibe ich den iPS-Zellen treu.“

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