Wissenschaft
Dramatische Eisschmelze am Nordpol und in Grönland

Das Eis auf der Nordhalbkugel schmilzt in großem Umfang und dramatisch schneller als bislang angenommen. Im ganzjährigen Eis am Nordpol klaffen zum Ende dieses Sommers Risse und Lücken so groß wie die Fläche Großbritanniens.

dpa LONDON/PARIS. Das Eis auf der Nordhalbkugel schmilzt in großem Umfang und dramatisch schneller als bislang angenommen. Im ganzjährigen Eis am Nordpol klaffen zum Ende dieses Sommers Risse und Lücken so groß wie die Fläche Großbritanniens.

Wie die Europäische Weltraumorganisation Esa am Mittwoch in Paris mitteilte, reichten die Öffnungen im Eis von Spitzbergen im Nordpolarmeer über die russische Arktis bis hin zum Nordpol. Auch das grönländische Eis ist in den vergangenen vier Jahren deutlich schneller zurückgegangen als erwartet, berichten US-Forscher im Journal „Nature“.

„Diese unnormale und dramatische Situation der Eisschmelze ist mit den bisherigen Rekordjahren nicht zu vergleichen“, sagte der Eis- und Ozeanexperte der Esa, Mark Drinkwater. Dies belegten Aufnahmen des europäischen Umweltsatelliten Envisat aus der Zeit vom 23. bis 25. August. „Ein Schiff hätte wohl von Spitzbergen oder Nordsibirien aus ohne Probleme bis zum Nordpol fahren können - dort, wo normalerweise überall Packeis ist.“

Auch die Eisflächen Grönlands werden immer kleiner. Zwischen April 2002 und April 2006 seien jährlich rund 248 Kubikkilometer Eis verloren gegangen, der Großteil davon in Südgrönland, berichteten Forscher in „Nature“. Dies entspreche einem Anstieg des Meeresspiegels um etwa 0,5 Millimeter pro Jahr - und damit deutlich mehr als bislang vermutet. Die Wissenschaftler von der Universität von Colorado (Boulder/US-Staat Colorado) hatten Daten einer Satellitenmission ausgewertet. Die Satelliten messen monatlich das Gravitationsfeld der Erde, woraus sich auch die Veränderungen in der Masse des grönländischen Eisschildes ablesen lassen.

Die Analyse ergab, dass die Geschwindigkeit, mit der das Eis schmilzt, über den bislang vierjährigen Messzeitraum gestiegen ist. Von April 2004 bis April 2006 sei etwa zweieinhalb Mal so viel Eismasse verloren gegangen wie in den beiden Jahren zuvor, schreiben die Forscher in „Nature“.

In den vergangenen 25 Jahren wurde ein zunehmender Rückgang des jährlichen Eistiefststandes in der Arktis registriert. Anfang der achtziger Jahre waren am Ende eines Sommers etwa acht Mill. Quadratkilometer Eis übrig, im Jahr 2005 waren es nur noch 5,5 Millionen. Experten betrachten den Rückgang als Folge des Treibhauseffektes.

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