Wissenschaft: Ehrlich-Nachwuchspreisträger: Aids ein Unfall der Evolution

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Ehrlich-Nachwuchspreisträger: Aids ein Unfall der Evolution

Der Preisträger des höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreises in Deutschland hält die Entstehung von Aids für einen Unglücksfall der Evolution.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der Preisträger des höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreises in Deutschland hält die Entstehung von Aids für einen Unglücksfall der Evolution.

„Die Menschheit ist einem ganz unglücklichen Unfall zum Opfer gefallen“, sagte der Ulmer Virologe Michael Schindler am Dienstag in Frankfurt. Er erforscht die Entstehung der Immunschwächekrankheit. Der 28 Jahre alte Forscher erhält den mit 60 000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis am 14. März in der Frankfurter Paulskirche.

Aids ist entstanden, indem Viren von Affen auf den Menschen übertragen wurden. Rund 40 Affenarten tragen ein Virus in sich, das dem Aidserreger beim Menschen sehr ähnlich ist. Dennoch erkranken sie nicht. Schindler wollte herausfinden, warum das so ist. Die Ursache fand er in einem Nef genannten Eiweiß.

Schindler analysierte 30 dieser Proteine bei 14 Primatenarten und stellte fest: Das Nef-Protein des menschlichen Aidsvirus (HIV) löst eine „chronische Hyperaktivität“ des Immunsystems aus. Dadurch sterben die T-Helferzellen ab und Aids entsteht. Beim Affen hingegen bewirken die Nef-Proteine genau das Gegenteil: Sie hemmen die übermäßige Aktivierung des Immunsystems, und das Tier bleibt gesund.

„Wir hoffen, dass diese Ergebnisse irgendwann dazu beitragen werden, neue Wege zu finden, die Entwicklung von Aids zu verhindern“, sagte Schindlers Doktorvater Prof. Frank Kirchhoff. „Aber es wird nicht einfach sein, diese Forschung in eine Therapie umzusetzen.“ Den mit 100 000 Euro dotierten Hauptpreis erhalten in diesem Jahr die beiden Biochemiker Ada Yonath (Israel) und Harry Noller (USA) für ihre Forschungen an den Eiweißfabriken der Zellen.

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