Wissenschaft
Einfrieren unreifer Eizellen soll Krebskindern Nachwuchs ermöglichen

Israelische Ärzte haben die Eizellen von Krebspatientinnen im Kindesalter eingefroren, um den Mädchen später einmal eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Das neuartige Verfahren wurde am Dienstag auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Fortpflanzungsmedizin (Eshre) in Lyon vorgestellt.

dpa LYON. Israelische Ärzte haben die Eizellen von Krebspatientinnen im Kindesalter eingefroren, um den Mädchen später einmal eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Das neuartige Verfahren wurde am Dienstag auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Fortpflanzungsmedizin (Eshre) in Lyon vorgestellt.

Die Ärzte um Ariel Revel vom Universitätsklinikum Jerusalem konnten sogar bei einem fünfjährigen Mädchen unreife Eizellen isolieren.

Krebs im Kindesalter ist heute in 70 bis 90 Prozent aller Fälle heilbar. Die aggressive Chemotherapie macht die jungen Patienten jedoch oft unfruchtbar. Bei erwachsenen Frauen, denen dasselbe Risiko droht, werden daher oft nach einer Hormonbehandlung Eizellen entnommen und für eine spätere Schwangerschaft eingefroren. Bei Mädchen vor der Pubertät wird bislang Eierstockgewebe entnommen, um es später zurück zu transplantieren und zur Produktion reifer Eizellen anzuregen. Dieses Gewebe übersteht aber - anders als die Eizellen - das Einfrieren oftmals nicht.

Revel und Kollegen fanden nun bei mehreren Krebspatientinnen vor der Pubertät unreife Eizellen in den Eierstöcken, die sie vor der Tumorbehandlung entnahmen, im Labor heranreifen ließen und schließlich einfroren. „Keine Eizellen wurden bislang wieder aufgetaut, so dass wir nicht wissen, ob daraus Schwangerschaften entstehen werden“, sagte Revel. „Wir haben aber die Hoffnung, dass die ausgereiften Eizellen diesen Mädchen die realistische Möglichkeit bieten können, ihre Fruchtbarkeit zu erhalten.“

Kanadische Forscher stellten auf derselben Konferenz das erste Baby vor, das aus einer erst im Labor gereiften, eingefrorenen und schließlich künstlich befruchteten Eizelle entstanden ist. Drei weitere Frauen seien nach dieser Methode schwanger, berichtete Hananel Holzer vom Mcgill-Zentrum für Reproduktionsmedizin in Montréal. Das Verfahren sei allerdings erst in einem frühen Stadium und noch nicht an Krebspatientinnen erprobt.

Sollte sich die Methode bewähren, könnte sie auch solchen Krebspatientinnen die Chance auf eine spätere Schwangerschaft erhalten, bei denen eine Hormontherapie zur Gewinnung reifer Eizellen nicht in Frage kommt - entweder weil die Tumorbehandlung keine Zeit mehr dafür lässt, oder weil die Patientinnen wie die israelischen Mädchen die Pubertät noch nicht erreicht haben. Sie könnten sich unreife Eizellen entnehmen lassen, die dann im Labor heranreifen und eingefroren werden. „Wir haben erstmals gezeigt, dass dies möglich ist, und bis jetzt vier erfolgreiche Schwangerschaften erzielt, von denen eine bereits zu einer Lebendgeburt führte“, betonte Holzer.

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