Wissenschaft
Einmalige Bienenbeobachtungsstation installiert

Jede Biene wird gezählt: Mit einer elektronischen Mess- und Beobachtungsstation untersuchen Bienenforscher in der Eifel künftig den Einfluss des Wetters auf das Leben von Bienenvölkern.

dpa MAYEN. Jede Biene wird gezählt: Mit einer elektronischen Mess- und Beobachtungsstation untersuchen Bienenforscher in der Eifel künftig den Einfluss des Wetters auf das Leben von Bienenvölkern.

Die Anlage, die am Freitag in Mayen bei Koblenz offiziell in Betrieb gegangen ist, erfasst außer Wetterdaten die Flugaktivität, den Nektareintrag, den Futterverbrauch und die Flugbienenverluste von vier Bienenvölkern, sagte der Bienenbiologe Christoph Otten vom Fachzentrum für Bienen und Imkerei des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Westerwald-Osteifel in Mayen. Die vollelektronische Station sei in dieser Kombination weltweit einmalig.

128 Lichtschranken vor den vier Bienenvölkern registrieren jede ein- und ausfliegende Biene mitsamt der Uhrzeit ihres Fluges. „So lassen sich Bienenverluste leicht berechnen“, sagte Otten. Zudem würden die Bienenvölker mit elektronischen Waagen, auf denen sie stünden, jede Minute gewogen, um Nektareinträge und Futterverbrauch „auf das Gramm genau“ zu erfassen. Über die Kopplung der parallel gespeicherten Wetterdaten ließen sich Wettereinflüsse auf das Sammelverhalten der Bienen analysieren.

Nach dem massiven Bienensterben 2002/03 in Deutschland, bei dem 30 Prozent aller Bienenvölker eingegangen seien, forschten Experten nach möglichen Ursachen, sage Otten. Im Fokus der Untersuchungen stünden Krankheitserreger und Pflanzenschutzmittel. „Wir wollen zusätzlich mögliche negative klimatische Einflüsse unter die Lupe nehmen“, sagte der Bienenbiologe. Unter anderem solle der Hypothese nachgegangen werden, dass schlechtes Wetter den Nektar- und Polleneintrag verringere. „Man weiß zwar, dass bei schönem Wetter die Bienen fliegen, aber genauer hat das noch niemand untersucht.“ Erste Ergebnisse sollten Mitte nächsten Jahres vorliegen.

Bundesweit wird die Zahl der Bienenvölker laut Otten auf eine Million geschätzt. In einem Volk lebten im Sommer zwischen 30 000 bis 50 000 Bienen, im Winter dagegen nur 20 000 bis 25 000.

Die neue Messstation ist Teil des vom Fachzentrum aufgebauten Trachtbeobachtungsnetzes, das aus mehr als 100 Beobachtungsstellen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland besteht. Dieses Netz erfasst die Sammelaktivität der Bienen bisher nur über einfache Waagen. Das Mayener Zentrum plant, dieses Messnetz weiter auszubauen und zu automatisieren.

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