Wissenschaft
Ende für Hera - Größte deutsche Forschungsmaschine wird abgeschaltet

Deutschlands größte Forschungsmaschine geht in den Ruhestand: Nach rund 15 Jahren wird der Teilchenbeschleuniger Hera an diesem Samstag abgeschaltet.

dpa HAMBURG. Deutschlands größte Forschungsmaschine geht in den Ruhestand: Nach rund 15 Jahren wird der Teilchenbeschleuniger Hera an diesem Samstag abgeschaltet. Für die physikalische Grundlagenforschung hat die 6,3 Kilometer lange Hadron-Elektron-Ring- Anlage (Hera) Grundlegendes geleistet, wie das Deutsche Elektronen- Synchrotron (Desy) am Freitag in Hamburg betonte. Die Auswertung der Daten werde noch weit bis ins nächste Jahrzehnt dauern.

„Schon heute können wir mit Freude feststellen, dass das Wissen, das wir mit Hera gewonnen haben, Eingang in die Lehrbücher gefunden hat und uns besser verstehen lässt, was die Welt im Innersten zusammenhält“, sagte der Vorsitzende des Desy-Direktoriums Professor Albrecht Wagner.

Wie ein gigantisches Elektronenmikroskop hat Hera vor allem einen der beiden Bausteine des Atomkerns durchleuchtet und dabei ein detailliertes Bild vom inneren Aufbau dieses so genannten Protons gewonnen. Demnach brodelt im Innersten der Materie eine unruhige Suppe aus winzigen Elementarteilchen, die ständig spontan entstehen und wieder vergehen. Mit einer Detailgenauigkeit von einem Billiardstel Millimeter war der unterirdische Teilchenbeschleuniger das genaueste Elektronenmikroskop der Welt.

Mit Hera haben die Desy-Forscher auch den „Klebstoff“ erforscht, der die Atomkernbausteine zusammenhält, die so genannten Gluonen. Ähnlich wie Gummibänder halten diese Klebeteilchen die Elementarteilchen umso kräftiger zusammen, je weiter diese voneinander entfernt werden. Diese experimentelle Bestätigung einer 20 Jahre alten Vorhersage war dem Desy zufolge die Voraussetzung für den Physik-Nobelpreis 2004, der an die US-Physiker David Gross, David Politzer und Frank Wilczek ging.

Außerdem konnten die Experimente an der Hamburger Teilchenkanone zeigen, dass sich zwei der vier fundamentalen Naturkräfte bei hohen Energien zu einer Kraft vereinigen - ein erster Schritt zur begehrten Weltformel. „Wer nach einer langen Bergtour schließlich den Gipfel erreicht, wird mit einer Aussicht auf die Welt belohnt, die er in dieser Weise vorher nicht gesehen hat. So geht es uns nach 15 Jahren Forschung mit Hera“, sagte Wagner.

Nach dem geplanten Ende des Hera-Betriebs wird die Anlage stillgelegt, die teils hausgroßen Nachweisgeräte für Teilchenkollisionen werden abgebaut. Bis 2013 soll am Desy der weltweit einzigartige Röntgenlaser Xfel in Betrieb gehen.

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