Wissenschaft
Erbgut des Rhesusaffen entziffert

Ein internationales Forscherteam hat das Erbgut des Rhesusaffen entziffert und mit dem von Mensch und Schimpanse verglichen.

dpa WASHINGTON. Ein internationales Forscherteam hat das Erbgut des Rhesusaffen entziffert und mit dem von Mensch und Schimpanse verglichen. Der Rhesusaffe (Macaca mulatta) teilt demnach etwa 97,5 Prozent seiner Gene mit diesen beiden Primaten, wie die Wissenschaftler in mehreren Studien im US-Fachjournal „Science“ (Bd. 316, Nr. 13) vom Freitag berichten.

Von der Kenntnis des Affenerbguts versprechen sich die Forscher unter anderem ein besseres Wissen über Krankheiten des Menschen. So gilt der Rhesusaffe als wichtigstes Versuchstier in der Aidsforschung. Der Makake ist nach Mensch und Schimpanse der dritte Primat, dessen Erbgut bekannt ist.

„Wir wollen wissen, was uns zu Menschen macht“, erläuterte der Projektleiter des Rhesusaffen-Genomkonsortiums, Richard Gibbs vom Baylor College. Die Wege von Rhesusaffe und Mensch trennten sich ersten Analysen zufolge vor etwa 25 Mill. Jahren. Der Makake ist damit ein eher alter Verwandter. Der Mensch und sein nächster Verwandter, der Schimpanse (Pan troglodytes), entwickelten sich erst vor etwa sechs Mill. Jahren auseinander. Mit dem Schimpansen teilt der Mensch (Homo sapiens) noch rund 99 Prozent der Gene.

„Die Entzifferung des Makaken-Erbguts - kombiniert mit dem Schimpansen- und Menschengenom - liefert Forschern ein weiteres mächtiges Werkzeug, um unser Verständnis der Biologie des gesunden und kranken Menschen voranzubringen“, sagte der Chef des US-Humangenom-Forschungsinstituts, Francis Collins, der die Entzifferung des Menschenerbguts geleitet hatte.

So stießen die Forscher im Affenerbgut beispielsweise auf Gene, die beim gesunden Makaken wie die kranken Gene von Menschen aussehen. Das gilt etwa für die erbliche Stoffwechselstörung Fölling-Krankheit (Phenylketonurie), an der rund einer von 15 000 Menschen leidet. Den Betroffenen fehlt ein Enzym zur Verarbeitung einer bestimmten Aminosäure, so dass sie manchmal ein Leben lang eine maßgeschneiderte Diät einhalten müssen.

Möglicherweise sind viele solcher „Krankheitsgene“ nur ursprüngliche Varianten, die erst durch eine Änderung der Ernährungsweise oder Umweltbedingungen im Laufe der Evolution eine schädliche Wirkung entfaltet haben, wie es in einem „Science“- Begleittext heißt.

Die rund 170 Wissenschaftler von 35 Institutionen des Rhesusaffen-Genomprojekts erwarten von der Erbgut-Entzifferung auch Fortschritte in der Medizin der Herzkreislauf-, Hormon- und Infektionskrankheiten sowie in der Verhaltensbiologie, der Hirnforschung und dem Wissen über die Evolution. „Science“ zufolge ist zudem bei sieben weiteren Primatenarten die Erbgut-Sequenzierung in Arbeit.

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