Wissenschaft: Erstes Steinzeit-Camp im Rheinland entdeckt

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Erstes Steinzeit-Camp im Rheinland entdeckt

Archäologen im Rheinland haben erstmals die Spuren eines 120 000 Jahre alten steinzeitlichen Camps entdeckt. Einen derartigen Fund habe es in der Region bisher nicht gegeben, sagte Jürgen Thissen von der Außenstelle Titz des Amtes für Bodendenkmalpflege am Montag in Bonn.

dpa BONN. Archäologen im Rheinland haben erstmals die Spuren eines 120 000 Jahre alten steinzeitlichen Camps entdeckt. Einen derartigen Fund habe es in der Region bisher nicht gegeben, sagte Jürgen Thissen von der Außenstelle Titz des Amtes für Bodendenkmalpflege am Montag in Bonn.

„So ein Lager werden wir nicht noch einmal finden, das gibt es im ganzen Bundesgebiet nicht“, sagte Thissen. Der Fund habe sicher auch europäische Bedeutung.

Im vergangenen August seien er und seine Helfer im Braunkohletagebau Inden/Altdorf (Kreis Düren) auf die Grundrisse von drei Behausungen gestoßen. Zwischen den Grundrissen seien auch zwei Feuerstellen mit Feuerspuren in Form von Holzkohlen und wenig verziegeltem Lehm gefunden worden. Zudem seien über 600 Steingeräte und ihre Herstellungsabfälle freigelegt worden.

Im Dezember 2005 wurde in der Abbauwand ein erster Faustkeil entdeckt. Danach gelang es im Löss des westlichen Inde-Tals unter 30 000 Tonnen Deckschicht, den Boden der „Eemwarmzeit“ (etwa 128 000 bis 117 000 Jahre vor Chr.) auf 3 000 Quadratmeter freizulegen. Hier traten nach den Worten von Thissen in bis zu sechs Metern Tiefe Brandstellen und gut erhaltene, wahrscheinlich 120 000 Jahre alte Steingeräte aus dieser Warmzeit zu Tage: ein Messer mit Rücken und Schneidenschlag, Klingen, gezähnte Stücke und präparierte Kerne.

Die Deckschicht sei mit Hilfe des Schaufelbaggers der Rhein-Braun-Power, die den Tagebau betreibt, weggeräumt worden, sagte Thissen. Dann sei mit einem Hydraulikbagger weitergegraben worden. Denn die Zeit drängte.

Die Grundrisse wiesen auf leichte Sommerbehausungen hin, sagte Thissen. Sie seien aus einem hölzernen Gerüst, vielleicht aus Weidenruten, die in die „Wandgräbchen“ eingerammt worden seien, errichtet worden. Dann seien darüber Felle ausgebreitet worden, so dass die Bewohner vor Wind und Wetter geschützt gewesen seien. Das Klima damals sei mediterran gewesen. Die Wissenschaftler vermuten, dass Feuersteingeröll an der Erdoberfläche die Neandertaler damals zum Bleiben bewegt habe. Dauerhaft bewohnt seien die Hütten aber nicht gewesen. Eine oder mehrere Gruppen von Sammlern und Jägern hätten dort vermutlich Halt gemacht. Die reichen Feuersteinvorkommen der Maas-Hauptterrasse waren ideal zur Fertigung von Werkzeug.

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