Wissenschaft
Experimenteller Impfstoff verringert Blutdruck beim Menschen

Ein experimenteller Impfstoff gegen Bluthochdruck hat in einer Studie am Menschen erste Erfolge gezeigt. Das berichten Mediziner um Martin Bachmann von der Cytos Biotechnology AG in Schlieren (Schweiz) im Medizinjournal „The Lancet“ (Bd. 371, S. 821).

dpa LONDON. Ein experimenteller Impfstoff gegen Bluthochdruck hat in einer Studie am Menschen erste Erfolge gezeigt. Das berichten Mediziner um Martin Bachmann von der Cytos Biotechnology AG in Schlieren (Schweiz) im Medizinjournal „The Lancet“ (Bd. 371, S. 821).

Der Wirkstoff greift gezielt in die körpereigene Regulierung des Blutdrucks ein. An der Untersuchung waren auch Forscher der Berliner Universitätsklinik Charité beteiligt. Ein eventuell aus den Studien hervorgehender Impfstoff soll nach Hoffnung des Unternehmens die tägliche Einnahme von Pillen überflüssig machen. Viele Patienten versäumen es, die Wirkstoffe zuverlässig zu schlucken und gefährden oder schwächen damit ihre Therapie.

Der Blutdruck kann reguliert werden, indem der Körper seine Adern enger oder weiter stellt. Im ersten Fall steigt, im zweiten sinkt der Druck. An dieser Regelung beteiligt ist ein Protein namens Angiotensin II. Dieses sogenannte Peptidhormon sorgt für einen steigenden Blutdruck. Der experimentelle Impfstoff (Cyt006-Angqb) von Bachmann und seinen Kollegen besteht aus Angiotensin II und daran gekoppelten Bestandteilen von Viren. Nach der Impfung mit diesem Komplex entstanden im Körper der Probanden Antikörper, die gegen Angiotensin II gerichtet sind. Es wird damit blockiert - und damit auch seine blutdrucksteigernde Wirkung.

Behandelt wurden insgesamt 72 Patienten mit mildem bis moderatem Bluthochdruck. 24 Patienten erhielten 100 Millionstel Gramm (100 Mikrogramm) des Impfstoffes, 24 Patienten bekamen 300 Mikrogramm, und 24 weitere ein wirkstoffloses Scheinpräparat (Placebo) unter die Haut gespritzt. Zur Auswertung nach je drei solchen Spritzen wurde der Blutdruck zu Beginn und nach 14 Wochen herangezogen. In der Gruppe mit 300 Mikrogramm zeigte sich im Vergleich zum Placebo eine moderate, aber statistisch signifikante Senkung des Blutdrucks am Tag (minus 9/minus vier Millimeter Quecksilbersäule, mmhg, für den systolischen/diastolischen Wert). Zudem habe sich das Präparat als sicher erweisen.

Damit sei zum ersten Mal gezeigt, dass die Impfung gegen eine körpereigene Substanz zur Blutdruckregulierung tatsächlich den Druck in den Gefäßen verringere, schreiben Ola Samuelsson und Hans Herlitz vom Universitätskrankenhaus Sahlgrenska in Göteborg (Schweden) in einem begleitenden Kommentar in „The Lancet“ (S. 788). Vorherige Versuche seien entweder fehlgeschlagen oder hätten nur im Tierversuch Erfolg gezeigt. Weitere Studien mit größeren Patientengruppen müssten folgen, schreibt Bachmann von Cytos Biotechnology. Das Unternehmen hatte die Studie auch finanziert.

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