Wissenschaft
Forscher entwickeln neue Methode für Gesichtsprothesen

Wissenschaftler in Dresden, Chemnitz und Jena haben eine schonendere Methode für die Wiederherstellung entstellter Gesichter von Tumorpatienten oder Unfallopfern entwickelt. Bei dem Verfahren wird der Kopf mit einem optischen Scanner vermessen und am Computer als drehbare Skulptur abgebildet.

dpa DRESDEN/JENA. Wissenschaftler in Dresden, Chemnitz und Jena haben eine schonendere Methode für die Wiederherstellung entstellter Gesichter von Tumorpatienten oder Unfallopfern entwickelt. Bei dem Verfahren wird der Kopf mit einem optischen Scanner vermessen und am Computer als drehbare Skulptur abgebildet.

Die neue Methode macht die Abdruckabnahme vom verletzten Gesicht überflüssig, sagte Projektleiter Prof. Bernd Reitemeier von der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Dresden. Das Verfahren sei nicht nur kostengünstiger, sondern bringt laut Reitemeier auch schnellere und exakte Ergebnisse zur Herstellung der Ersatzteile aus Silikon, so genannter Epithesen.

Scannerverfahren werden in der Medizin bereits für Abbilder der äußeren Körperoberfläche sowie zur Herstellung von Zahnersatz genutzt. Im Automobil- und Maschinenbau ist diese Technik längst etabliert. Für die plastische Chirurgie haben die Technischen Universität (TU) Dresden, die Firma IVS Solution Gmbh Chemnitz und das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik Jena die Methode nach eigenen Angaben weltweit als erste vorgestellt. „Das Scannen erfasst Maße genauer als der Abdruck“, sagte Reitemeier.

Bisher wurde beim Abformen ein Werkstoff ähnlich denen in der Zahnmedizin auf dem Gesicht gehärtet, wobei die Patienten die Muskeln anspannen. „Das verfälscht das Ergebnis“. Bei der neuen Methode entsteht das Modell virtuell anhand von Fotos der Patienten, erläuterte Christine Schöne von der Fakultät Maschinenelemente und -konstruktion der Universität. Für den Fall des Totalverlusts der Nase etwa könne auf eine Nasen-Datenbank mit 210 gescannten Varianten zugegriffen werden.

Zuletzt wird das Kunststoffmodell an einem 3D-Drucker ausgedruckt. „Nach einem Tag hat man es in der Hand, das ist mit herkömmlichen Verfahren undenkbar“, sagte Reitemeier. Nur die Epithese stellten Fachleute nach wie vor in Handarbeit her. „Das Resultat ist viel unauffälliger“, sagt Reitemeier. Die kürzere Produktionszeit entlaste auch die Patienten. Meist müssen nach Tumoroperationen im Mund-, Kiefer-, Gesichts- oder Brustbereich entstandene Fehlstellen bei Weichteilen und Knorpeln ersetzt werden. Häufig ist die Region um Augenhöhle, Nase und Ohren betroffen.

Nach der neuen Methode wurden schon 20 Patienten versorgt. Laut Reitemeier denken die Forscher inzwischen auch über eine neue Form der Befestigung der Epithesen nach, die bisher mit Hautkleber fixiert werden. Denkbar wäre eine unscheinbarere Fixierung über Magnete im darunter liegenden Knochen. Entsprechende Tests laufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%