Wissenschaft: Forscher produzieren erstmals wirksamen Impfstoff mit Tabakpflanzen

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Forscher produzieren erstmals wirksamen Impfstoff mit Tabakpflanzen

Würzburger Forscher haben mit gentechnisch veränderten Tabakpflanzen große Mengen Impfstoff produziert. Erstmals sei eine Tabakpflanze so angepasst worden, dass sie im ausreichenden Maße einen wirksamen Impfstoff gegen die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose liefere.

dpa WüRZBURG. Würzburger Forscher haben mit gentechnisch veränderten Tabakpflanzen große Mengen Impfstoff produziert. Erstmals sei eine Tabakpflanze so angepasst worden, dass sie im ausreichenden Maße einen wirksamen Impfstoff gegen die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose liefere.

Das teilte die Universität Würzburg am Freitag mit. Er sei fast genauso effektiv wie ein in Bakterienkulturen hergestellter Impfstoff.

Bislang hätten gentechnisch veränderte Pflanzen Impfstoffe in viel zu geringen Mengen produziert. Bei der Würzburger Tabakpflanze sei dies jedoch anders - sie sei äußerst ergiebig. Der Forscher Heribert Warzecha vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie habe das Gen für das Protein, aus dem der Impfstoff besteht, in die Chloroplasten der Tabakpflanze integriert. Diese hätten das Protein nicht nur in großer Menge hergestellt, sondern es auch gleich mit den nötigen Fettsäuren versehen, die für die Wirkung des Impfstoffs unentbehrlich seien. „Bislang war es gängige Lehrmeinung, dass ausschließlich Bakterien diese ganz spezielle Veränderung eines Proteins erledigen können“, sagte Warzecha.

Ein Test des Impfstoffes an Mäusen habe ergeben, dass die Tiere gut vor Borreliose geschützt worden seien. Der Impfstoff sei den Mäusen von Forschern der Universität Freiburg injiziert worden. Jetzt wollen die Würzburger Wissenschaftler der Pflanze das Nikotin entziehen und dann testen, ob eine Impfung auch durch das Essen der Blätter möglich sei. Wenn die Dosis hoch genug sei, würde genügend Impfstoff im Dünndarm ankommen, bevor er im Verdauungstrakt zersetzt werde, sagte Warzecha. Die Studie wurde im Fachjournal „Nature Biotechnology“ veröffentlicht (DOI:10.1 038/nbt1170).

Bei der Lyme-Borreliose kann es zunächst zu einer sich kreisförmig ausbreitenden Rötung kommen, gelegentlich folgen grippeähnliche Beschwerden, unbehandelt können Entzündungen des Herzens, der Gelenke und sogar des Gehirn und des Nervensystems auftreten. Saugende Zecken sollten nicht betäubt werden, weil sie dann ihren Mageninhalt in die Blutbahn entleeren.

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