Wissenschaft
Forscher "reprogrammieren" Mäusezellen zu embryonalen Stammzellen

Forscher haben Zellen ausgewachsener Mäuse, so genannte adulte Zellen, mit Hilfe von vier Eiweißstoffen in einen Zustand embryonaler Stammzellen zurückversetzt. Ihr Bericht erscheint im US-Fachjournal „Cell“ (Bd. 126, S. 663) vom Freitag.

dpa WASHINGTON/TOKIO. Forscher haben Zellen ausgewachsener Mäuse, so genannte adulte Zellen, mit Hilfe von vier Eiweißstoffen in einen Zustand embryonaler Stammzellen zurückversetzt. Ihr Bericht erscheint im US-Fachjournal „Cell“ (Bd. 126, S. 663) vom Freitag.

Bisher steht allerdings nicht fest, ob sich das gleiche Verfahren auch bei adulten Zellen des Menschen anwenden lässt. Einige der verwendeten Proteine, so genannte Faktoren, hatten sich bereits in früheren Studien als Mittel zur so genannten Reprogrammierung gezeigt. Sie wirken auf das Erbgut im Zellkern.

Mediziner versprechen sich vom Einsatz embryonaler Stammzellen neue Behandlungen für Leiden wie die Parkinson-Krankheit, Diabetes und Querschnittslähmungen. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist die Gewinnung und Verwendung embryonaler Stammzellen des Menschen jedoch verboten, weil sie bisher die Zerstörung menschlicher Embryonen voraussetzt. Ansätze wie der des japanisch-amerikanischen Forscherteams könnten sich einmal als Alternative zur derzeitigen Gewinnung embryonaler Stammzellen erweisen. US-Berichte über eine Technik zur Stammzellgewinnung, die den Embryo nicht zerstört, hatten die Diskussion um diese Forschung in Deutschland wieder neu entfacht.

Der federführende Forscher der Mäuse-Studie, Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto in Japan, fasste das Ergebnis der Experimente so zusammen: „Wir haben nachgewiesen, dass sich Kulturen von Fibroblasten mit nur wenigen Faktoren in pluripotente (Stamm-)Zellen verwandeln lassen“. Fibroblasten sind Vorläuferzellen unter anderem des Bindegewebes. Pluripotent bedeutet, dass sich eine Stammzelle in die meisten Gewebearten des Körpers entwickeln kann. Die Forscher nennen die von ihnen geschaffenen Zellen induzierte pluripotente Stammzellen (iPS).

Das Forscherteam war der Frage nachgegangen, welche Faktoren für den Erhalt des pluripotenten Zustands embryonaler Stammzellen verantwortlich sind. Dabei konzentrierten sie sich auf 24 Gene und die von ihnen produzierten Proteine, von denen aus früheren Studien bekannt war, dass sie eine Rolle in diesem Prozess spielen könnten.

Von diesen 24 Faktoren erwiesen sich 4, Oct3/4, Sox2, c-Myc und Klf4, als entscheidend. Mit ihnen gelang es, die adulten Zellen in den pluripotenten Zustand embryonaler Stammzellen zurück zu versetzen. Allerdings wird einer der vier Faktoren, c-Myc, im Zusammenhang mit mehreren Krebsarten verdächtigt und kommt daher möglicherweise für Versuche mit menschlichen Zellen nicht in Frage. Ungewiss ist auch, ob die in ihren ursprünglichen (pluripotenten) Zustand zurückversetzten adulten Zellen auch tatsächlich alle Aufgaben embryonaler Stammzellen erfüllen können.

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