Wissenschaft
Forscher verhindern Erbschäden

Amerikanische Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sie Erbkrankheiten verhindern können. In Tierversuchen tauschten sie Teile des Erbguts in weiblichen Geschlechtszellen aus. Das Ergebnis ist verblüffend, wirft aber ethische Fragen zur Zerstörung von Embryonen und Eizellspenden auf.
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DÜSSELDORF. Eine Methode zur Verhinderung zahlreicher Erbkrankheiten stellen amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift „Nature“ vor. In Versuchen mit Affen tauschten sie die mitochondriale DNA (mtDNA) in weiblichen Geschlechtszellen aus. Das eröffnet die Möglichkeit, künftig die Weitergabe krank machender Erbgutteile an die Nachkommen einer Frau zu vermeiden.

Mitochondrien sind eine Klasse von Organellen, also kleiner Strukturen innerhalb einer Zelle. Als Kraftwerke versorgen sie die Zelle mit Energie. Sie sind aber auch für den programmierten Zelltod, die Apoptose, zuständig. Mitochondrien unterscheiden sich von den anderen Organellen dadurch, dass sie ihre eigene DNA beinhalten, zusätzlich zum Erbgut auf den Chromosomen im Zellkern.

Mitochondriale DNA wird nur über die weibliche Eizelle an die nächste Generation vererbt, nicht über männliche Spermien. Neue Erkenntnisse zeigen, dass Mutationen der mtDNA, die viel häufiger sind als bei der DNA im Zellkern, zumindest eine Rolle spielen bei Diabetes und Unfruchtbarkeit, aber auch bei Krebs und neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Die neue Methode der Forscher eröffnet nun die Aussicht, dass Mütter, die um ihre belastete mtDNA wissen, durch künstliche Befruchtung ein Kind haben könnten, das ihre krank machenden Mitochondrien nicht erbt.

Die Forschergruppe um Shoukhrat Mitalipov von der Oregon Health & Science University in Beaverton entfernte die DNA im Kern von Eizellen eines Rhesusaffenweibchens und pflanzte sie in die entkernten Eizellen eines anderen Tieres ein, die aber noch die Mitochondrien mit der mtDNA enthielten. Die drei so produzierten Eizellen konnten erfolgreich mit männlichen Spermien befruchtet werden und entwickelten sich zu gesunden Affen-Kindern.

Die Forscher schreiben, dass ihre Methode offenbar kein Risiko der Schädigung der Zellkern-DNA berge. Analysen an den fünf und sechs Tage alten Embryos im Blastozysten-Stadium und an den aus befruchteten Eizellen entstandenen Stammzell-Linien hätten keine Anzeichen für Schäden der Chromosomen gezeigt.

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