Wissenschaft
„Gefräßige“ Milchstraße: Heimatgalaxie saugt Sterne auf

Die Milchstraße ist gefräßig: Unsere Heimatgalaxie saugt noch heute Sterne und Materie aus ihrer Umgebung auf.

dpa HEIDELBERG. Die Milchstraße ist gefräßig: Unsere Heimatgalaxie saugt noch heute Sterne und Materie aus ihrer Umgebung auf. Forscher des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Astronomie haben Spuren dieses „galaktischen Kannibalismus“ entdeckt, wie das Wissenschaftsmagazin „Maxplanckforschung“ in seiner jüngsten Ausgabe schreibt.

Bisher waren Astronomen davon ausgegangen, dass sich Galaxien seit Jahrmilliarden nur aus ihrer eigenen Substanz wandeln und entwickeln.

Die Suche nach der verschlungenen Materie ist mühsam. Unter vielen Mill. Sternen müssen Astronomen die Himmelskörper identifizieren, die einst von einer Satellitengalaxie abgezogen wurden. Die „Neuzugänge“ verraten sich etwa durch eine ungewöhnliche chemische Zusammensetzung, ihre Bewegung und Geschwindigkeit oder ein abweichendes Alter.

Vor rund zehn Jahren hatten Astronomen erstmals einen Strom von Sternen gefunden, der von einem kleinen Nachbarn der Milchstraße stammt, der Sagittarius-Zwerggalaxie - und sich nun komplett um das Zentrum der Milchstraße windet. Heidelberger Forscher sind auf einen ringförmigen Sternstrom gestoßen, dessen Ursprung vermutlich eine Zwerggalaxie in der Konstellation Großer Hund (Canis Major) ist; heute erstreckt sich der Strom um das Sternbild Einhorn (Monoceros).

Und der Kugelsternhaufen Palomar 5, einer der masseärmsten seiner Art, hat beim Durchqueren der Milchstraßen-Ebene in rund zehn Mrd. Jahren etwa das Zehnfache seiner heutigen Restmasse verloren. „Beim nächsten Durchtritt durch die Milchstraße, in 110 Mill. Jahren, trifft er in nur 23 000 Lichtjahren Entfernung vom galaktischen Zentrum in ein Gebiet hoher Sterndichte - und wird dann vermutlich vollständig aufgerieben und von der Milchstraße aufgesogen“, sagen die Wissenschaftler voraus.

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