Wissenschaft
Genpionier Venter lässt sein Erbgut entziffern

Menschen unterscheiden sich genetisch doch weit mehr von einander als bislang angenommen. Das geht aus der kompletten Entzifferung des Erbguts von US-Genpionier Craig Venter hervor.

dpa NEW YORK. Menschen unterscheiden sich genetisch doch weit mehr von einander als bislang angenommen. Das geht aus der kompletten Entzifferung des Erbguts von US-Genpionier Craig Venter hervor.

„Mit dieser Veröffentlichung zeigen wir, dass die Variationen von Mensch zu Mensch sieben Mal größer sind als zuvor geschätzt. Das heißt, dass wir Menschen genetisch gesehen wirklich Individualisten sind“, sagte Venter der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er hat sein komplettes Erbgut (Genom) sequenzieren lassen und auch gleich nach seinen Krankheitsanlagen gespäht.

Der 60-jährige Wissenschaftler gab im dpa-Interview zu, seit der Sequenzierung seines Erbgut cholesterinsenkende Mittel zu nehmen. Venters Vater war 59-jährig an einem Infarkt gestorben. Er selbst trägt, dem Erbgut nach zu urteilen, ebenfalls die Anlage für schwere Herzprobleme ohne vorherige Ankündigung in seinen Genen. Bei der Analyse des Venterschen Genoms stießen die Forscher insgesamt auf mehr als 300 Krankheitsgene und auf 4 000 bislang unerforschte Varianten der rund 25 000 bekannten Gene des Menschen.

„Wir sind nicht zu 99,9 Prozent identisch, sondern nur zu 99 oder sogar nur zu 98 Prozent“, sagte Venter, der das J. Craig Venter Institut (Jcvi) in Rockville (US-Bundesstaat Maryland) leitet. Das komplette Erbgut wird in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals „Plos Biology“ vom Mittwoch vorgestellt. Das entzifferte Erbgut von Venter ist eine „diploide“ Blaupause und enthält als solche die genetischen Daten beider Erbgutsätze, je einen von väterlicher und von mütterlicher Seite. Die Chromosomen (Erbgutträger) jeweils eines Chromosomenpaares zeigten nach Angaben des Forscherteams überraschend große Erbgutunterschiede.

Die beiden ersten entzifferten menschlichen Genome waren aus den genetischen Informationen mehrerer Menschen zusammengestellt worden und zeigen daher nicht die Anlagen einer einzelnen Person. Sie waren 2001 von Venter und seinem Erzrivalen Francis Collins vom National Human Genome Research Institute (Nhgri) vorgestellt worden. Vor zwei Monaten hatte zudem der Mitentdecker der DNA-Struktur, der Nobelpreisträger James Watson, sein Erbgut auf der Internetseite des Cold Spring Harbor Laboratoriums bei New York veröffentlichen lassen.

Venters Genom wurde mit der kostspieligen Sanger-Technologie sequenziert und zeichnet sich dem Forscher zufolge durch höchste Genauigkeit aus. Es heißt in der Fachliteratur „Huref“ (Referenz für Human-Genom) und bietet sich laut Venter als Grundlage zum Vergleich künftiger Erbgutstudien an.

Venter hatte als erster in der Geschichte einen Organismus genetisch entziffert. Seitdem haben er und sein Team das Genom weiterer gut tausend Arten sequenziert. Derzeit bemüht sich Venter, Organismen synthetisch herzustellen. Sie sollen alternative Energien erzeugen und Kohlendioxid schlucken, um die weitere Erwärmung der Erde zu stoppen.

Für „Huref“ waren 20 Mrd. DNA-Basenpaaren entziffert worden. Die Jcvi-Forscher hatten das Genom mit seinen rund drei Mrd. Basenpaaren rund sieben Mal sequenziert, um Fehler möglichst auszuschließen. Von 4,1 Mill. DNA-Varianten in Venters Erbgut entfielen 3,2 Mill. auf Veränderungen einzelner Bausteine (Single Nucleotide Polymorphisms/Snps). Die restlichen waren Einschnitte, Auslassungen, Doppelungen oder auch Verschiebungen auf andere Bereiche seines Erbguts.

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