Wissenschaft
Giftfreie Baumwolle für den steigenden Nahrungsbedarf der Welt

Mit Hilfe der Gentechnik haben US-Forscher einen Giftstoff aus den Samen der Baumwollpflanze entfernt und so möglicherweise eine neue Nahrungsquelle für die stetig wachsende Weltbevölkerung erschlossen. Ohne das Gift lassen sich die Samen als Quelle für Öl und hochwertiges Eiweiß nutzen.

dpa WASHINGTON. Mit Hilfe der Gentechnik haben US-Forscher einen Giftstoff aus den Samen der Baumwollpflanze entfernt und so möglicherweise eine neue Nahrungsquelle für die stetig wachsende Weltbevölkerung erschlossen. Ohne das Gift lassen sich die Samen als Quelle für Öl und hochwertiges Eiweiß nutzen.

Das berichten die Forscher in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („Pnas“; Bd. 103, S. 18 054). Sie hoffen, mit derselben Technik auch andere, bis dato giftige Pflanzen oder Pflanzenteile nutzbar machen zu können.

Pro Kilogramm Faser produziert die Baumwollpflanze etwa 1,65 Kilogramm Samen, schreiben die Forscher um Keerti Rathore von der Texas A & M University in College Sation. Die 44 Mill. Tonnen Samen, die jährlich bei der Baumwollproduktion anfallen, würden genug Proteine liefern, um etwa eine halbe Milliarde Menschen zu ernähren. Allerdings enthalten sowohl die Samen als auch Blätter, Blüten und Wurzeln der Pflanze Gossypol, einen Giftstoff, den die Pflanze zur Abwehr von Schädlingen produziert.

Seit den 1950er Jahren versuchen Wissenschaftler bereits, Baumwollpflanzen ohne Gossypol zu erzeugen. Bisherige, giftfreie Varianten erwiesen sich jedoch als kommerziell nicht nutzbar, da sie extrem anfällig für Schädlinge waren. Rathore und Mitarbeitern gelang es nun, die Gossypol-Bildung nur in den Samen auszuschalten. Deren Giftstoff-Anteil sank daraufhin auf ein Niveau, das von der Welternährungsorganisation FAO als unbedenklich eingestuft wird, schreiben die Forscher. In anderen Teilen der Pflanze bleibe der Gossypol-Spiegel unverändert hoch, so dass eine Beeinträchtigung der Schädlingsabwehr nicht zu erwarten sei.

Die giftfreien Samen könnten den Forschern zufolge dabei helfen, den steigenden Nahrungsbedarf der Weltbevölkerung zu decken, ohne den Ertrag der Anbaupflanzen steigern oder die Anbauflächen weiter ausdehnen zu müssen. Experten schätzen, dass die Weltbevölkerung in den nächsten 50 Jahren um 50 Prozent anwachsen wird.

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