Wissenschaft
Glückliche Paare werden seltener herzkrank als Singles

Menschen in glücklichen Beziehungen haben nach Angaben des Psychologen Prof. Jochen Jordan ein niedrigeres Herzinfarktrisiko als Singles oder unglückliche Paare.

dpa BAD NAUHEIM. Menschen in glücklichen Beziehungen haben nach Angaben des Psychologen Prof. Jochen Jordan ein niedrigeres Herzinfarktrisiko als Singles oder unglückliche Paare.

„Herzschmerz aus dauerhaft belastenden Partnerschaften kann wahre Herzschmerzen hervorrufen“, sagte der Leiter der Klinik für Psychokardiologie im hessischen Bad Nauheim in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa. Wenn eine Beziehung über längere Zeit nicht gut laufe, dann bedeute das für die Partner Stress, Ärger und mache traurig. „Diese Faktoren wirken negativ auf den Organismus zurück und erhöhen damit das Risiko einer Herzerkrankung“, sagte Jordan.

Der Großteil verlässlicher Ergebnisse bezieht sich laut Jordan auf Untersuchungen mit Männern, da Erkrankungen der Herzkranzgefäße lange Zeit als Männersache galten. Danach zeigten Single-Männer ein 2,9fach höheres Risiko, innerhalb von zehn Jahren am Herzen zu erkranken als Männer, die in einer guten Beziehung leben. „Für Männer ist eine feste emotionale Bindung zum Partner ein klarer Schutzfaktor für ihre Herzgesundheit“, sagte der 55-Jährige.

Allerdings hätten nicht nur Männer mit chronischen Problemen in ihrer Beziehung ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, sondern auch solche, die mit einer beruflich höher qualifizierten Frau zusammen seien. „Der hoch qualifizierte Beruf einer Frau lässt das Herzinfarktrisiko bei ihrem Partner um das Dreifache gegenüber Männern steigen, deren Partnerin Hausfrau, Arbeiterin oder Büroangestellte ist“, sagte Jordan. „In diesem Punkt ändert sich die Welt nur sehr langsam, einen großen Qualifikationsunterschied zu Frauen vertragen Männer noch nicht gut.“

Internationalen Studien zufolge spielt laut Jordan eine Beziehung für die Entstehung von Herzerkrankungen ebenso eine Rolle wie für die Heilung nach einem Herzinfarkt. „Ein Jahr nach einem Herzinfarkt liegt die Sterblichkeit von fest und glücklich gebundenen Männern bei 6,6 Prozent, bei Single-Männern ist sie mit 12,4 Prozent fast doppelt so hoch“, sagte Jordan.

Die Geschlechterrollen wirkten auch nach einer Herzerkrankung weiter. Bei Frauen sei der Schutzschild einer Beziehung weniger stark als bei Männern. „Zwar lassen sich bei gebundenen Frauen ebenfalls bessere Überlebensraten nach einem Infarkt nachweisen als bei Single- Frauen, und die Bindung ist für ihre Regeneration ebenso wichtig wie für Männer, allerdings bedeutet eine Beziehung für Frauen nicht zwangsläufig, dass sie die Unterstützung auch bekommen“, sagte der Psychologe. Oft bleibe die Verantwortung etwa für den Haushalt auch nach einem Herzinfarkt Sache der Frau, wohingegen Männer ihre Verantwortungen nach einer Erkrankung an ihre Partnerinnen abgäben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%