Wissenschaft
Größtes Linsenteleskop Deutschlands wieder zugänglich

Deutschlands größtes Linsenteleskop hat wieder für Besucher geöffnet. Ein Blick in den Himmel war jedoch nicht möglich, als der über 100 Jahre alte Große Refraktor auf dem Potsdamer Telegrafenberg nach mehrjähriger Restaurierung am Mittwoch zugänglich wurde: Es regnete in Strömen.

dpa POTSDAM. Deutschlands größtes Linsenteleskop hat wieder für Besucher geöffnet. Ein Blick in den Himmel war jedoch nicht möglich, als der über 100 Jahre alte Große Refraktor auf dem Potsdamer Telegrafenberg nach mehrjähriger Restaurierung am Mittwoch zugänglich wurde: Es regnete in Strömen.

Und da auf das wertvolle Instrument keine Tropfen kommen dürfen, blieb die Kuppel geschlossen. Dennoch feierten Experten und Laien bei einem Tag der offenen Tür diesen „Meilenstein unserer Wissenschaftsgeschichte“, wie es Brandenburgs Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) formulierte.

Rund 750 000 Euro sind in die Restaurierung des nach Angaben des Astrophysikalischen Instituts Potsdam bundesweit größten und weltweit viertgrößten Linsenteleskops geflossen. Bereits im vergangenen Jahr war es an seinen angestammten Platz zurückgekehrt. Danach waren noch technische Arbeiten sowie die Innengestaltung der Kuppel nötig. Wanka betonte, der Große Refraktor könne zwar nicht mehr den Forschern dienen, aber Schüler faszinieren. „Und einige werden sehr ernsthaft darüber nachdenken, ihren Beruf in der Astrophysik zu suchen.“

Der Große Refraktor war am 26. August 1 899 als Hauptteleskop des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam in Dienst gestellt worden. Sogar Kaiser Wilhelm II. kam damals zur Einweihung. Das Teleskop hatte laut Wanka damals Weltgeltung.

Etwa eine halbe Million Goldmark flossen seinerzeit in den Bau des riesigen Instruments. Die beiden parallel und fest verbundenen Teleskope sind jeweils 12,5 Meter lang. Das schlankere hat einen Durchmesser von 50 Zentimetern. Damit beobachteten die Astrophysiker die Sterne. Das zweite Teleskop hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Damit wurden die Beobachtungen fotografiert.

Insgesamt wiegt der bewegliche Teil des Instruments mehr als sieben Tonnen. Am Okular des Fernrohres sitzt der Beobachter auf einem Stuhl, der in unterschiedlichen Höhen - je nach Rohrneigung - rundherum fahren kann. Untergebracht ist das Teleskop in einem Ziegelgebäude unweit des Einstein-Turms. Die drehbare Kuppel ist 17 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 21 Metern.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Kuppel und Refraktor bei einem Bombenangriff im April 1945 beschädigt. 1953 begann wieder der wissenschaftliche Betrieb, er endete jedoch 1968. Seitdem blieb das Gerät ohne Wartung, und die Technik rostete unbeachtet vor sich hin - bis sich 1997 ein Förderverein gründete. Dieser setzte sich für die Sanierung ein und brachte dafür selbst rund 50 000 Euro auf. 675 000 Euro kamen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die treuhänderisch das Kapital der Pietschker-Neese-Stiftung verwaltet.

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