Wissenschaft
Gute Ergebnisse mit neuer Klasse von Aids-Medikamenten

Eine neue Klasse von Aids-Medikamenten hat in klinischen Studien gute Ergebnisse erbracht. Das Mittel Raltegravir greift das Enzym Integrase der Viren an, das kein bislang erhältliches Aids-Medikament blockieren kann.

dpa LONDON. Eine neue Klasse von Aids-Medikamenten hat in klinischen Studien gute Ergebnisse erbracht. Das Mittel Raltegravir greift das Enzym Integrase der Viren an, das kein bislang erhältliches Aids-Medikament blockieren kann.

Die Ergebnisse präsentiert das Team vom Forschungslabor des US-Pharmakonzerns Merck in Westpoint im britischen Fachjournal „Lancet“ (Bd. 369, S. 1 261) von diesem Samstag. Das Enzym Integrase baut das Virenerbgut in das Erbgut der Zelle ein. So genannte Integrase-Inhibitoren blockieren dieses Enzym und verhindern so auch die Vermehrung der Viren.

Das Team um Bach-Yen Nguyen teilte 178 Patienten, die gegen andere Medikamente resistente Viren hatten, in vier Gruppen auf: Eine Gruppe bekam nur herkömmliche Medikamente und ein Scheinmedikament, die anderen drei bekamen statt des Scheinmedikaments drei verschiedene Dosierungen von Raltegravir. Das Virenerbgut im Blut der Raltegravir-Patienten sank im Schnitt um 98 Prozent, in der Kontrollgruppe dagegen nur um 45 Prozent. Die Zahl der entscheidenden Abwehrzellen (CD4-Zellen) stieg in den beiden hochdosierten Raltegravir-Gruppen deutlich an.

Raltegravir sei gut von den Patienten vertragen worden, berichten die Forscher. „Zusammen mit den Ergebnissen einer anderen Studie zu Raltegravir bestätigen diese Daten, dass die HIV-1-Integrase ein gutes Ziel für die antivirale Therapie ist.“ Das Medikament könne ein fester Bestandteil der Kombinationstherapie werden, um Patienten zu behandeln, die medikamentenresistente Viren haben.

In einem Kommentar bescheinigt „Lancet“ dem Mittel, eine neue Ära der Aidstherapie eröffnet zu haben. Es müssten jedoch noch mögliche Langzeitfolgen geprüft werden. Bedauerlicherweise seien solche Medikamente für 85 Prozent der Aidskranken weltweit jedoch weiterhin unerreichbar.

Merck hatte erste Ergebnisse zu Raltegravir (vormals MK-0 518) bereits im vergangenen August auf der Aidskonferenz in Toronto vorgestellt. Bislang gibt es vier Klassen von Medikamenten. Eine behindert die Anlagerung des Virus an die Blutzelle, die drei übrigen wirken auf verschiedene Weise im Inneren der Zelle. Dort käme auch die neue Klasse der Integrase-Inhibitoren zum Einsatz.

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