Wissenschaft
Haifische können nicht in die Tiefsee fliehen

Die meisten Haifische können sich nach einer neuen Studie dem wachsenden Druck durch Fischerei nicht in die Tiefsee entziehen.

dpa KIEL. Die meisten Haifische können sich nach einer neuen Studie dem wachsenden Druck durch Fischerei nicht in die Tiefsee entziehen.

Eine internationale Untersuchung unter Beteiligung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) zeige erstmals, dass die großen Raubfische unterhalb von 3 000 Metern im Meer nicht vorkommen.

Das teilte das Institut am Donnerstag mit. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Lebensraum von Haifischen sich praktisch nur auf Gebiete intensiver Fischerei beschränkt“, sagte Biologe Rainer Froese.

400 bis 500 der insgesamt rund 600 Haiarten lebten in weniger als 1 000 Meter Tiefe, schilderte Froese. „Die Netze gehen immer tiefer. Im Augenblick erfassen sie bis zu 1 000 Meter Tiefe.“ Nachdem die Fischereibranche die flacheren Kontinentalrändern vielerorts bereits leergefischt habe, würden nun die Unterseeberge gezielt angegangen, wo viele Tiere lebten. „Haifische bevölkern die Ozeane seit über 100 Mill. Jahren und hatten damit ausreichend Zeit, sich an den extremen Bedingungen in der Tiefsee anzupassen. Der Grund warum sie das nicht tun, hängt vermutlich mit Nahrungsmangel zusammen.“

Damit sie im Wasser schweben können, nutzen Haifische eine ölreiche Leber, deren Entwicklung hohen Energieaufwand erfordert. Moderne Knochenfische wie der Kabeljau verfügen dagegen über eine Schwimmblase, deren Wachstum verhältnismäßig wenig Energie in Anspruch nimmt. Knochenfische sind bis zu einer Tiefe von 9 000 Metern beobachtet worden. Nach der neuen Studie ist auch bei zunehmender Erforschung der Tiefsee nicht mit einer Entdeckung weiterer Haiarten zu rechnen. In 70 Prozent der Meere gebe es keine Haie.

Die Wissenschaftler warnten außerdem, dass schon seit Jahren der Fischereidruck auf Haie dramatisch zunehme. Für die in Asien als Delikatesse beliebte Haifischflossensuppe werden die Tiere zum Beispiel nur wegen ihrer Flossen gejagt. Froese erläuterte: „Die Gefährdung der Haifische beruht in erster Linie darauf, dass sie langsam wachsen und nur wenig Nachwuchs produzieren.“

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