Wissenschaft
Heilmittel aus dem Meer: Proteinkleber nach Miesmuschel-Vorbild

Ein bei der Miesmuschel abgeschauter Proteinkleber soll innere Verletzungen und Operationswunden künftig besser heilen lassen.

dpa GREIFSWALD. Ein bei der Miesmuschel abgeschauter Proteinkleber soll innere Verletzungen und Operationswunden künftig besser heilen lassen.

Das Material nach dem Vorbild der Natur ist ein Ergebnis eines dreijährigen Verbundprojekts in Mecklenburg-Vorpommern zur Erforschung von Meereswirkstoffen, bei dem verschiedene neue Materialien aus dem Meer gewonnen wurden. Der Muschelkleber soll nun in klinischen Studien seine Verträglichkeit beweisen, wie der Mikrobiologie-Professor Frieder Schauer von der Universität Greifswald am Mittwoch berichtete.

„Der Proteinkleber wurde der Natur abgeschaut“, sagte Schauer. Dazu entwickelten die Forscher analog zum Bio-Klebstoff, mit dem sich die Miesmuschel am Untergrund festhält, eine vereinfachte künstliche Variante. Zunächst hatten die im Labor produzierten Eiweiße (Peptide) im Vergleich zu den natürlichen noch eine zu geringe Klebkraft. Durch den Einsatz von Enzymen aus holzzerstörenden Pilzen konnten die Peptide stärker vernetzt und deren Klebewirkung enorm gesteigert werden, wie Schauer erläuterte.

Greifswalder und Rostocker Wissenschaftler hatten in den vergangenen drei Jahren mehr als 300 Algen, Pilze, Muscheln, Schnecken und Würmer erforscht und deren Wirkstoffe isoliert. Die so gewonnenen Substanzen wurden anschließend auf ihre Wirkung gegen Krankheitserreger und Tumorzellen sowie auf Knochenzellen, Hautzellen und verschiedene Enzyme geprüft. Dabei entdeckten die Forscher außer dem Muschelkleber weitere nützliche marine Substanzen. So stehe ein erstes Kosmetikpräparat kurz vor der Markteinführung, das die Hautalterung verzögern soll. Das drei Mill. Euro teure Verbundprojekt hat auch zwei Firmen entstehen lassen.

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