Wissenschaft
Heizbarer Schwanz schützt Erdhörnchen vor Schlangen

Washington (dpa) ­ Mit einem aufgeheizten Schwanz schützen nordamerikanische Erdhörnchen ihre Jungen vor gefährlichen Klapperschlangen. Sie wedeln damit vor den Schlangen herum, die die Wärmestrahlung wahrnehmen und sie als Zeichen der Aggressivität werten.

Washington (dpa) ­ Mit einem aufgeheizten Schwanz schützen nordamerikanische Erdhörnchen ihre Jungen vor gefährlichen Klapperschlangen. Sie wedeln damit vor den Schlangen herum, die die Wärmestrahlung wahrnehmen und sie als Zeichen der Aggressivität werten.

Dies berichten US-Forscher in den „Proceedings“ der US- Nationalen Akademie der Wissenschaften (online vorab veröffentlicht). Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) sei ein bislang unbekanntes Kommunikationssignal im Tierreich. Es habe sich bei den Erdhörnchen ausgebildet, nachdem die Klapperschlangen die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Infrarotstrahlung entwickelt haben.

Die Wissenschaftler hatten das Infrarotsignal entdeckt, als sie im Labor Begegnungen zwischen Kalifornischen Zieseln (Spermophilus beecheyi) ­ einer Art von Erdhörnchen ­ und Klapperschlangen (Crotalus oreganus) mit einer Wärmekamera filmten. Der Schwanz der Erdhörnchen heizte sich über die gesamte Länge deutlich auf, sobald sich die Klapperschlangen näherten, schreiben Aaron Rundus und seine Mitarbeiter von der University of California in Davis.

Trafen die Hörnchen auf Kiefernnattern (Pituophis melanoleucus), die Wärmestrahlung nicht wahrnehmen können, blieb der Schwanz hingegen kalt. Anschließend konfrontierten die Forscher Klapperschlangen mit einem „Erdhörnchen-Roboter“, dessen Schwanz sich ebenfalls beheizen ließ. Die Schlangen verhielten sich wesentlich defensiver, sobald die Forscher die Schwanz-Heizung einschalteten.

Die Entdeckung des Infrarotsignals erkläre auch eine bislang paradox erscheinende Beobachtung: Kalifornische Ziesel wedeln nämlich bei Dunkelheit stärker mit ihrem Schwanz als im Hellen, obwohl die Klapperschlangen den Schwanz im Dunklen ja eigentlich gar nicht sehen können. Das Infrarotsignal sei aber trotzdem wahrnehmbar, schreiben die Forscher. Es sei in der Natur im Dunklen sogar besonders effektiv, weil dann auch die Umgebungstemperaturen niedrig sind und sich die Wärmestrahlung des Schwanzes gut vom Hintergrund abhebt. Das fällt mit der Zeit zusammen, in der Klapperschlangen bevorzugt jagen: Im Frühjahr in der Dämmerung und im Sommer in der Nacht.

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