Wissenschaft
Hirnschrittmacher hilft bei schweren Bewegungsstörungen

Außer Parkinson lassen sich auch andere schwere Bewegungsstörungen einer Studie zufolge erfolgreich mit einem Hirnschrittmacher behandeln. In das Gehirn gepflanzte Elektroden könnten schwere Muskelverkrampfungen (Dystonien) häufig deutlich bessern.

dpa KIEL/BERLIN. Außer Parkinson lassen sich auch andere schwere Bewegungsstörungen einer Studie zufolge erfolgreich mit einem Hirnschrittmacher behandeln. In das Gehirn gepflanzte Elektroden könnten schwere Muskelverkrampfungen (Dystonien) häufig deutlich bessern.

Das berichten deutsche Forscher im „New England Journal of Medicine“. Dystonien sind nicht heilbar. „Nun ist es aber eine behandelbare Krankheit geworden“, sagte der Leiter der Ambulanz für Bewegungsstörungen der Berliner Charité, Andreas Kupsch, der an der Studie mehrerer Universitäten mitarbeitete.

In Deutschland litten rund 60 000 bis 120 000 Menschen an der Krankheit, sagte Kupsch. Dabei gibt es verschiedenen Formen der Dystonie. Bis zu 50 000 der Betroffenen hätten schwere Muskelverkrampfungen am ganzen Körper, einige seien deswegen auf einen Rollstuhl angewiesen. Die bekanntesten Ausprägungen der Dystonien sind der Schiefhals und der Blinzelkrampf. Die Krankheit gehe auf eine Art Störfeuer im Gehirn zurück, die Bewegungen werden falsch gesteuert, sagte Kupsch. „Im Unterschied zu Parkinson gehen die Hirnzellen jedoch nicht kaputt, sie funktionieren nur nicht richtig.“ Bei etwa zehn Prozent der Erkrankten sei Dystonie genetisch bedingt. Bei den restlichen Betroffenen finden die Ärzte keine Ursachen.

Für ihre Studie setzten die Mediziner bei 40 Menschen mit schweren Dystonien einen Hirnschrittmacher ein. „Bei 80 bis 85 Prozent der Patienten mit dem Schrittmacher haben sich die Symptome deutlich gebessert“, sagte Kupsch. Zum Teil hätten die Patienten wieder selbstständig gehen können.

Ähnlich wie bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit setzten die Ärzte den Menschen den Schrittmacher durch ein kleines Loch in der Schädeldecke ein. „Wir implantieren die Elektroden unter die Hirnrinde in einen Bereich innerhalb des so genannten Linsenkerns“, sagte Kupsch. Dieses Gehirngebiet sei mit verantwortlich für das Lernen von Bewegungen. „Wir brauchen es zum Beispiel beim Klavierspielen.“

Die Operation dauere sechs bis zehn Stunden. „Mit den leichten Elektroschocks, die 130 Mal pro Sekunde verabreicht werden, stellen wir den Takt im Gehirn wieder her“, sagte Kupsch. Eine Heilung sei dies jedoch nicht. „Wenn wir den Schrittmacher wieder ausschalten, beginnen die Symptome wieder.“ Bei eingeschaltetem Schrittmacher blieben die Symptome nach bisherigen Erkenntnissen jedoch dauerhaft gemildert.

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