Wissenschaft
Hoffnung für einsame Schildkröte "George"

Das seltenste Tier der Welt ist möglicherweise doch nicht ganz allein. Nach einer genetischen Untersuchung auf den abgelegenen Galápagos-Inseln hegen Biologen die leise Hoffnung, ein Weibchen für die Riesenschildkröte „Lonesome George“ (einsamer Georg) zu finden.

dpa GALáPAGOS/CAMBRIDGE. Das seltenste Tier der Welt ist möglicherweise doch nicht ganz allein. Nach einer genetischen Untersuchung auf den abgelegenen Galápagos-Inseln hegen Biologen die leise Hoffnung, ein Weibchen für die Riesenschildkröte „Lonesome George“ (einsamer Georg) zu finden.

Das Reptil gilt bislang als letztes Exemplar seiner Gruppe - einsamer als George kann ein Lebewesen nicht sein. Gentests haben nun aber gezeigt, dass es auf einer Nachbarinsel vielleicht doch ein Weibchen für ihn geben könnte. Die mögliche Brautschau wird allerdings aufwendig und macht zahlreiche Genanalysen nötig: Falls es eine potenzielle Partnerin geben sollte, verbirgt es sich unter rund 2000 Riesenschildkröten auf der Galápagos-Insel Isabela.

George lebt seit vielen Jahren in einem Gehege der Charles Darwin Research Station. Der Panzer des dunkel gefärbten Pflanzenfressers (Geochelone nigra abingdoni) misst der Länge nach etwa einen Meter, das Tier ist rund 90 Kilogramm schwer. Es wurde 1971 auf der Insel Pinta gefunden, als Rarität erkannt und in die Forschungsstation gebracht. Den dortigen Biologen zufolge ist das Panzertier zwischen 60 und 90 Jahre alt. George lebt seit Jahren mit zwei Weibchen der sehr ähnlichen Unterart Geochelone nigra becki zusammen - diese stammen von der Insel Isabela. „Wir hofften, dass George einige seiner Gene weitergeben würde“, heißt es bei den Forschern. Die Hoffnung blieb jedoch unerfüllt. „Er wuchs vielleicht alleine auf und hat kein Sozial- und Paarungsverhalten gelernt.“

Wenn es zur Paarung, zur Eiablage und zum Schlupf kleiner Schildkröten käme wären so genannte Hybride das Ergebnis, eine Mischform beider Unterarten. Genau so ein Schildkröten-Hybrid von der Nachbarinsel Isabela wird nun zum Hoffnungsschimmer. Die Gruppe um Michael Russello von der Universität von British Columbia (Kanada) entdeckte bei einer genetischen Analyse eine wild lebende Schildkröte, deren Genom zur Hälfte von der Unterart von George stammt.

Weil dieser „Treffer“ aus der Analyse nur weniger Tiere von Isabela stammt, hoffen Russello und seine Kollegen, dass sich unter den rund 2000 weiteren Tieren auf der Insel möglicherweise noch ein echter Vertreter von Georges Unterart finden wird. Die Forscher berichten im Journal „Current Biology“ (Bd. 17, S. R317) über ihre Resultate.

Zum Erhalt der Art wäre also eine sorgfältige Suche auf der abgelegenen Pazifikinsel nötig. „Dieses Ziel scheint uns erreichbar“, urteilt Russello in dem Journal. Dazu müsste allerdings eine Gruppe von Forschern über die Insel Isabela ziehen, Proben aller Schildkröten sammeln und im Labor untersuchen. Immerhin wäre jedoch selten der Ausruf „Heureka“ (griechisch für: „Ich hab's gefunden“) passender als im Falle eines Erfolgs dieser Suche.

Damit würde der Mensch einer Tiergruppe helfen, die er über viele Jahre hinweg eigenhändig und rücksichtslos an den Rand der Existenz gedrängt hat. Seefahrer luden die Reptilien aufs Boot, weil sie auch ohne Pflege lange Zeit bis zum Schlachten „frisch“ blieben. Nach Galápagos eingeschleppte Ratten fressen Eier und Nachkommen der Panzertiere. Vielerorts wurde der Lebensraum der Riesenschildkröten zerstört.

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