Wissenschaft
Humangenetiker fordern Verbot von unseriösen Gentests

Die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik hat ein Verbot von unseriösen Gentests gefordert. „Der wachsende Schwarzmarkt für Tests etwa auf Osteoporose (Knochenschwund) oder Parodontose (Zahnfleischschwund) muss unterbunden werden.

dpa HEIDELBERG. Die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik hat ein Verbot von unseriösen Gentests gefordert. „Der wachsende Schwarzmarkt für Tests etwa auf Osteoporose (Knochenschwund) oder Parodontose (Zahnfleischschwund) muss unterbunden werden.

Für diese Angebote gibt es keinerlei wissenschaftliche Basis“, sagte der Vorsitzende Prof. Claus Rainer Bartram in einem dpa-Gespräch anlässlich einer bis Samstag dauernden Fachtagung in Heidelberg. „Den Anbietern kommt es nur darauf an, dass man eine Blutprobe und vor allem einen Scheck dazulegt. Es ist unethisch, in diesem Markt zu fischen, der mit so vielen Ängsten verbunden ist.“

Ärzte müssten sich bei Genuntersuchungen an Richtlinien der Bundesärztekammer halten, betonte Bartram, der das Institut für Humangenetik an der Universität Heidelberg leitet. So müssten sie ihre Patienten umfassend informieren, wie aussagekräftig die Testergebnisse sind und ob einem Ausbruch der Krankheit vorgebeugt werden könne. Gentest-Labore dagegen würden häufig von Naturwissenschaftlern geleitet, für die die ärztlichen Richtlinien nicht bindend seien. „Da werden die Ergebnisse oft nicht adäquat interpretiert, und sie werden den Betroffenen oft nicht adäquat vermittelt.“

Das seit langem geplante Gendiagnostikgesetz sollte daher regeln, wer genetische Tests anbieten darf, verlangte der 52 Jahre alte Mediziner. „Die Qualität von Gentests muss gesichert werden, und eine solche Untersuchung muss mit einer genetischen Beratung gekoppelt sein. Die Menschen haben ein Recht auf Wissen, aber auch ein Recht auf Nicht-Wissen.“ Nicht nur seltene Erbkrankheiten wie Chorea Huntington (Veitstanz), sondern auch manche Volkskrankheiten wie Krebs können Bartram zufolge mit Gentests nachgewiesen werden. „Etwa zehn Prozent aller Krebserkrankungen beruhen auf genetischen Anlagen.“ Darunter seien Fälle von Brustkrebs, Dickdarmkrebs und Schilddrüsenkrebs.

Die 1987 gegründete Deutsche Gesellschaft für Humangenetik vertritt nach eigenen Angaben fast 1 000 Mitglieder.

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