Wissenschaft
Hyänen schicken ungeliebte Verehrer in die Wüste

Frauen geben bei der Partnerwahl den Ton an - zumindest bei den Tüpfelhyänen. Bei ihnen schicken Weibchen missliebige Verehrer gezielt in die Wüste, wie Berliner Forscher bei Studien in Tansania nachgewiesen haben.

dpa BERLIN/LONDON. Frauen geben bei der Partnerwahl den Ton an - zumindest bei den Tüpfelhyänen. Bei ihnen schicken Weibchen missliebige Verehrer gezielt in die Wüste, wie Berliner Forscher bei Studien in Tansania nachgewiesen haben.

Diese Beobachtungen belegten, dass die weibliche Rolle in der Evolutionsbiologie bisher unterschätzt worden sei, sagte Oliver Höner vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung am Mittwoch. Die Lebensweise der Tüpfelhyänen sei traditionellen menschlichen Sozialsystemen nicht unähnlich. Gemeinsam mit einem Kollegen der britischen Universität Sheffield berichten die Berliner Forscher im Fachblatt „Nature“ (Bd. 448, S. 798) über ihre Beobachtungen.

Zehn Jahre lang haben die Forscher wilde Tüpfelhyänen, die rund 19 Jahre alt werden können, genau beobachtet. Mit Hilfe von Gentests überprüften sie, mit welchen Männchen sich die Damen des Clans paarten. Wobei Sex bei Typfelhyänen schon rein anatomisch nur funktioniert, wenn das Weibchen damit einverstanden ist. „Die Damen wählen sehr genau aus, wen sie ranlassen“, berichtete Höner.

Mehrere Körbe von den Damen des Hyänen-Clans haben für junge Männchen weitreichende Konsequenzen. Sie müssen ihre angestammte Gruppe, die 30 bis 80 Tiere umfassen kann, verlassen und sich einer anderen Gruppe anschließen. Sie lassen sich also praktisch von den unwilligen Weibchen in die Wüste schicken - in der Hoffnung, bei einem anderen Clan mehr Glück bei den Frauen zu haben.

Bisher vermuteten Forscher, dass die Männchen ihre angestammte Gruppe verlassen, um Konkurrenten auszuweichen, Gerangel um Futter zu vermeiden oder aber Inzucht zu verhindern. Die Berliner Forscher sind sich nun sicher, dass allein eine vierte Hypothese korrekt ist: Die Männchen gehen, weil sie keine willige Liebste finden. Und sie suchen sich neue Clans, in denen es viele junge Weibchen gibt.

Weibliche Tüpfelhyänen verhindern durch ihre Vorlieben Inzucht und damit weniger gesunden Nachwuchs. „Dieses Verhalten ist tief in den Genen der Tiere verankert, weil es sich als Vorteil für die Fortpflanzung erwiesen hat“, erläuterte Höner. Denn Tüpfelhyänen-Männchen beteiligen sich nicht an der Aufzucht ihrer Jungen. Junge Weibchen könnten deshalb nicht wissen, wer ihr Vater sei. Anders als früher vermutet, könnten sie ihre Väter auch nicht erkennen oder riechen.

Um Inzucht zu verhindern, meiden junge Hyänen also schlicht Männchen aus dem eigenen Clan, die älter sind als sie selbst. Sie lassen nur Partner zu, die nach ihnen in den Clan gekommen sind oder nach ihnen geboren wurden. Ältere Weibchen sind noch wählerischer. Sie bevorzugen Partner aus der eigenen Gruppe, die sie schon sehr lange kennen. „Das sind sehr einfache, aber sehr effektive Regeln“, ergänzte der Forscher.

Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie 380 Tiere beobachtet und 400 genetische Vaterschaftstests durchgeführt. Für Primaten, zu denen auch der Mensch gehört, gebe es solche Studien noch nicht, sagte Höner. Er fände es aber spannend herauszufinden, ob zum Beispiel heutige Naturvölker noch ähnliche Partnerwahl-Prinzipien haben wie die Tüpfelhyänen.

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