Wissenschaft
Im Hirn ähneln sich Essstörung und Drogensucht

Übermäßiges Verlangen nach Essen spielt sich im Gehirn ähnlich ab wie die Sucht nach Drogen. Wie US-Wissenschaftler herausfanden, werden in beiden Fällen die gleichen Gehirnregionen aktiviert.

dpa WASHINGTON. Übermäßiges Verlangen nach Essen spielt sich im Gehirn ähnlich ab wie die Sucht nach Drogen. Wie US-Wissenschaftler herausfanden, werden in beiden Fällen die gleichen Gehirnregionen aktiviert.

Insbesondere der Hippocampus spielt demnach eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Essverhaltens, berichten die Forscher in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (Online- Vorabveröffentlichung).

Die Forscher um Joanna Fowler von der Mount Sinai School of Medicine (New York) hatten sieben extrem Übergewichtige untersucht. Diese hatten, damit sie besser abnehmen können, bereits ein bis zwei Jahre vor der Untersuchung einen so genannten Gastrostimulator implantiert bekommen. Das auch Magenschrittmacher genannte Gerät stimuliert einen Nerv, der Signale an das Gehirn leitet, die ein Sättigungsgefühl hervorrufen.

Wie die Forscher nun feststellten, steigt die Stoffwechselaktivität im Hippocampus des Gehirns, wenn der Stimulator eingeschaltet ist. In dieser Gehirnregion werden Gedächtnisinhalte erzeugt und auch die Erinnerung an Drogen, beziehungsweise das Verlangen danach gespeichert. Zudem erreichten die Patienten geringere Werte in einem Test, der „unkontrolliertes“ und „emotionales“ Essverhalten anzeigt.

Außer dem Hippocampus wurden auch andere Bereiche des so genannten limbischen Systems aktiviert, die bereits mit dem Verlangen nach Drogen in Verbindung gebracht wurden. Übergewichtigen hilft der Stimulator beim Abnehmen, möglicherweise kann er auch bei der Behandlung von Drogensüchtigen eingesetzt werden, schreiben die Wissenschaftler.

Gemäß der Statuten des Fachjournals gibt eine der Autorinnen an, zum Zeitpunkt der Untersuchung Angestellte bei einer Herstellerfirma der Magenschrittmacher gewesen zu sein. Die Firma habe jedoch zur Finanzierung der Studie nicht beigetragen.

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