Wissenschaft in Nordkorea

Chemie lernen mit dem Gewehr

Die nordkoreanische Gesellschaft ist vollständig militarisiert. Das spiegelt sich auch in der Ausbildung von Wissenschaftlern wider. Wer dem Regime als Forscher oder Raketenbauer dient, wird mit Privilegien überhäuft.
In diesem Wohnviertel leben vor allem Wissenschaftler. Das Regime belohnt die Leistungen seiner Forscher mit modernen Wohnungen und anderen Privilegien. Quelle: dpa
Mirae-Straße in Pjöngjang

In diesem Wohnviertel leben vor allem Wissenschaftler. Das Regime belohnt die Leistungen seiner Forscher mit modernen Wohnungen und anderen Privilegien.

(Foto: dpa)

PjöngjangGewehr anlegen, zielen und schießen – so lernen junge Nordkoreaner Chemie im neuen Wissenschaftszentrum in Pjöngjang. Auf einen Bildschirm ist das Periodensystem der Elemente projiziert, in drei Meter Abstand liegen die Modellwaffen bereit. Trifft der Schütze beispielsweise das Feld mit „Po“, erscheint auf dem Bildschirm alles, was es über das Element Polonium zu wissen gibt. „Den jungen Studenten gefällt das“, sagt ein Angestellter und zielt selbst auf das Periodensystem.

Die nordkoreanische Gesellschaft ist durch und durch militarisiert. Das spiegelt sich auch im Gebäude des Wissenschafts- und Technologiezentrums wider, mit dem sich Machthaber Kim Jong Un ein Denkmal gesetzt hat. Im Zentrum des Baus in Form eines Atoms steht ein Modell der nordkoreanischen Unha 3-Rakete, die einst in der Lage sein soll, die USA nuklear anzugreifen.

Pjöngjang – Tristesse in Grau
Bauklotz-Tristesse
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Wie unsortiert aufgestellte Bauklötze ragen die Hochhäuser in Pjöngjang in die Luft. Viele von ihnen sind trotz den frischen Anstrichen heruntergekommen, einige wirken gar verwahrlost.

Bunt und doch verwahrlost
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Knapp 2,9 Millionen Nordkoreaner leben in der Hauptstadt Pjöngjang, die zugleich auch die größte Stadt des Landes ist. Viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze.

Ungepflegte Häuser sind normal
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Betrachtet man die Häuser aus der Nähe, sieht man, wie ungepflegt die Wohnblöcke aussehen. Umgerechnet gerade einmal 100 Euro verdient ein durchschnittlicher Arbeiter. Zu wenig, um das eigene Zuhause zu renovieren.

Besserung in kleinen Schritten
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Dabei sieht die Stadt heute moderner und oftmals gepflegter aus als noch vor zehn Jahren. In diesem Viertel etwa leben besser verdienende Schichten, wie etwa Wissenschaftler und Ingenieure. Vereinzelt sind auch Autos zu sehen. Ein Bild, das die Verantwortlichen vermutlich gerne nach außen dringen lassen.

Im Netz
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Seit einigen Jahren gibt es in der Diktatur sogar Zugänge zu Computern und auch dem Internet. Knapp 7.000 Menschen surfen regelmäßig, weniger als 50 Internetadressen sind verfügbar.

Prunk nach außen
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Besonders stolz ist die Regierung in Nordkorea auf die modernen sauberen Metrostationen in Pjöngjang. Die Metro gilt als eine der tiefsten der Welt.

Grau, Grauer, Pjöngjang
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Abseits der Propagandabilder von Metrostationen und moderner Technik bietet sich das wahre Bild von Pjöngjang: Graue Tristesse, eingehüllt in grau-weißen Smog, der sich über die Plattenbauten der Stadt legt. Im Mittelpunkt des Fotos: Das Monument der Parteigründung.

Das dieses Jahr eröffnete Zentrum ist eines der Vorzeigeprojekte von Kim Jong Un in der Hauptstadt, in das trotz der Armut im Land viel Geld floss. In nur zehn Monaten bauten Soldaten das beeindruckende Gebäude auf einer kleinen Flussinsel.

Mehr als 3000 Computerarbeitsplätze hält das Zentrum bereit, von Tausenden Besuchern täglich ist die Rede. Doch an diesem Tag ist es gespenstisch leer. Nur ein paar Dutzend Menschen sitzen vor den Rechnern, viele von ihnen sind Angestellte.

Wissenschaft und Technologie stünden ganz vorne, wenn es darum gehe, ein „reiches und mächtiges Vaterland“ zu schaffen, betont Kim immer wieder. Das technologische Know-how im Land wird vor allem militärisch genutzt. Die Atomwissenschaftler und Raketenbauer werden wie Nationalhelden behandelt und von ganz oben mit modernen Wohnungen und anderen Privilegien belohnt.

Nordkoreas Cyberkrieger gehören zu den besten der Welt
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