Wissenschaft in Nordkorea
Chemie lernen mit dem Gewehr

Die nordkoreanische Gesellschaft ist vollständig militarisiert. Das spiegelt sich auch in der Ausbildung von Wissenschaftlern wider. Wer dem Regime als Forscher oder Raketenbauer dient, wird mit Privilegien überhäuft.

PjöngjangGewehr anlegen, zielen und schießen – so lernen junge Nordkoreaner Chemie im neuen Wissenschaftszentrum in Pjöngjang. Auf einen Bildschirm ist das Periodensystem der Elemente projiziert, in drei Meter Abstand liegen die Modellwaffen bereit. Trifft der Schütze beispielsweise das Feld mit „Po“, erscheint auf dem Bildschirm alles, was es über das Element Polonium zu wissen gibt. „Den jungen Studenten gefällt das“, sagt ein Angestellter und zielt selbst auf das Periodensystem.

Die nordkoreanische Gesellschaft ist durch und durch militarisiert. Das spiegelt sich auch im Gebäude des Wissenschafts- und Technologiezentrums wider, mit dem sich Machthaber Kim Jong Un ein Denkmal gesetzt hat. Im Zentrum des Baus in Form eines Atoms steht ein Modell der nordkoreanischen Unha 3-Rakete, die einst in der Lage sein soll, die USA nuklear anzugreifen.

Das dieses Jahr eröffnete Zentrum ist eines der Vorzeigeprojekte von Kim Jong Un in der Hauptstadt, in das trotz der Armut im Land viel Geld floss. In nur zehn Monaten bauten Soldaten das beeindruckende Gebäude auf einer kleinen Flussinsel.

Mehr als 3000 Computerarbeitsplätze hält das Zentrum bereit, von Tausenden Besuchern täglich ist die Rede. Doch an diesem Tag ist es gespenstisch leer. Nur ein paar Dutzend Menschen sitzen vor den Rechnern, viele von ihnen sind Angestellte.

Wissenschaft und Technologie stünden ganz vorne, wenn es darum gehe, ein „reiches und mächtiges Vaterland“ zu schaffen, betont Kim immer wieder. Das technologische Know-how im Land wird vor allem militärisch genutzt. Die Atomwissenschaftler und Raketenbauer werden wie Nationalhelden behandelt und von ganz oben mit modernen Wohnungen und anderen Privilegien belohnt.

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