Wissenschaft
Kältespeicher soll Energieproblem lösen

Der erste Kurzzeit-Großkältespeicher Deutschlands soll an diesem Freitag in Chemnitz in Betrieb gehen. Die Vision seiner Planer: Der von außen schlichte, 17 Meter hohe Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 3 500 Kubikmetern soll als Prototyp einen Weg aus der Energiekrise ebnen.

dpa CHEMNITZ. Der erste Kurzzeit-Großkältespeicher Deutschlands soll an diesem Freitag in Chemnitz in Betrieb gehen. Die Vision seiner Planer: Der von außen schlichte, 17 Meter hohe Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 3 500 Kubikmetern soll als Prototyp einen Weg aus der Energiekrise ebnen.

„Für eine effiziente Nutzung von regenerativen Energien spielt die Speichertechnik eine Schlüsselrolle“, erklärt der Bereichsleiter Thermische Energie der Technischen Universität Chemnitz (TU), Thorsten Urbaneck.

In Sachsen hat Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) das Ziel ausgegeben, bis 2050 mehr als 50 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu bestreiten. „Dafür brauchen wir effiziente Speicher.“ Er hoffe, dass das Chemnitzer Modell Vorbildcharakter haben werde.

Noch steckt die Speichertechnik nach Ansicht von Urbaneck in den Kinderschuhen. „Das Problem ist, dass oft die meiste Energie zur Verfügung steht, wenn sie gerade nicht gebraucht wird“, erklärt er. Der Chemnitzer Speicher, ein gemeinsames Projekt der TU und der Stadtwerke Chemnitz, soll nun helfen, die zeitliche Lücke zwischen Energieanfall und -bedarf auszugleichen.

Der Speicher wird für das Chemnitzer Fernkältesystem genutzt. Diese riesige Klimaanlage, die Oper, Universität, Museen und Kaufhäuser mit Kälte versorgt, gebe es schon seit 1973, sagt Stadtwerke-Chef Uwe Barthel. 20 Jahre lang wurde das Fernkältesystem über Kompressionskältemaschinen betrieben - als Kühlmittel diente wie in Kühlschränken ozonschädigendes Fckw. Angetrieben wurden die Geräte mit Strom.

Seit 1993 nutzen die Stadtwerke so genannte Absorptionsmaschinen, die ohne Fckw auskommen und durch Wärme angetrieben werden. „Die Wärme kommt aus dem nahen Heizkraftwerk“, erklärt Barthel. „Im Sommer benötigen wir bei weitem nicht die ganze Wärme, die bei der Stromerzeugung anfällt.“ Diese überschüssige Energie werde zur Kälteproduktion genutzt, anstatt sie über Kühltürme zu entsorgen.

Angesichts des ständig steigenden Kältebedarfs in Chemnitz errichteten die Stadtwerke in den vergangenen Jahren weitere Absorptionsmaschinen. Doch auch diese arbeiten nicht effizient. „Zu normalen Zeiten sind die Maschinen nicht ausgelastet, bei hohen Temperaturen in den Mittagsstunden aber schaffen sie den Bedarf in der Stadt nicht“, schildert der Stadtwerke-Leiter für die Abteilung Wärme und Kälte, Ulf Uhlig.

Der Speicher ermöglicht nun, dass die Kältemaschinen rund um die Uhr voll ausgelastet sind. In Zeiten mit niedrigem Kälteverbrauch in der Stadt nimmt der Tank das gekühlte Wasser auf und legt Reserven an, die wiederum in Spitzenverbrauchszeiten ins Chemnitzer Netz eingespeist werden. Vorbilder, bei denen ein so schnelles Füllen und Leeren des Speichers möglich ist, gab es kaum. Nach zahlreichen Versuchen orientierten sich die Tüftler von TU und Stadtwerken beim Bau des Wassertanks an einem Biogasspeicher.

Das ganze Projekt kostet rund 1,1 Mill. Euro. Einen Großteil trägt das Bundesforschungsministerium. Die Investition scheint sich zu lohnen. Zahlreiche Interessenten aus dem In- und Ausland wollen den Chemnitzer Speicher in Augenschein nehmen, schildert Urbaneck. „Unser Speicher kann ohne große Anforderungen an bereits bestehende Systeme angegliedert werden.“

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