Wissenschaft
Kernspintomographie überlegen in Brustkrebs-Früherkennung

Bei der Früherkennung von Brustkrebs ist nach Studien von Bonner Radiologen die Kernspintomographie im Vergleich zur Mammographie deutlich treffsicherer.

dpa BONN/KöLN. Bei der Früherkennung von Brustkrebs ist nach Studien von Bonner Radiologen die Kernspintomographie im Vergleich zur Mammographie deutlich treffsicherer.

Über fünf Jahre sei bei der Untersuchung von gut 7 300 Frauen festgestellt worden, dass Vorstufen von Brustkrebs mittels Kernspintomographie doppelt so häufig aufgespürt wurden wie mit einer Röntgen-Mammographie. Kernspintomographie könne Brustkrebs gezielt finden, bevor er gefährlich werde. Das betonte ein Expertenteam um Prof. Christiane Kuhl von der Radiologischen Klinik der Universität Bonn, die ihre Ergebnisse im Medizinjournal „The Lancet“ (Bd. 370, S. 485) veröffentlichten.

In Deutschland erkranken jährlich nach Schätzungen rund 44 000 Frauen an Brustkrebs. Unter den 7 319 untersuchten Frauen, die in der Bonner Klinik über fünf Jahre zu Früherkennung und Diagnostik kamen, wurde bei 167 ein so genanntes Duktales Carcinoma In Situ (Dcis) entdeckt, also Vorstufen von Brustkrebs, die sich noch im Milchgang befinden. Diese wurden mit Hilfe der Kernspintomographie in 92 Prozent der Fälle richtig diagnostiziert. Die Mammographie konnte das Dcis nur in 56 Prozent identifizieren, wie die Forscher berichteten.

Es war bekannt, dass die Kernspintomographie der Mammographie bei der Brustkrebs-Diagnostik überlegen ist. Die Suche nach der Brustkrebs-Vorstufe, also dem Dcis, habe aber stets als Domäne der Mammographie gegolten, hieß es in einer Mitteilung der Universität. Mit dieser „Lehrbuchweisheit“ räume die Bonner Studie nun auf. Das Mammographie-Screening als Basis-Untersuchung zur Früherkennung bleibe aber unverzichtbar, betonten die Forscher. Die Kernspintomographie ist um ein Vielfaches teuerer als die Mammographie.

Brustkrebs entsteht aus Zellen, die die Milchgangwände innen auskleiden. Der Tumor bleibt zunächst im Milchgang. Er wird zu diesem Zeitpunkt zwar schon „Karzinom“ genannt, ist aber de facto noch eine gutartige Erkrankung, da er in dieser Phase nicht in Blut-oder Lymphgefäße gelangen kann - und damit nicht im Körper verteilen (metastasieren) kann. Entsprechend ist er in diesem Stadium grundsätzlich immer heilbar.

Die Studie könne nun einen Paradigmenwechsel in der Brustkrebs- Früherkennung einleiten, hieß es bei der Universität Bonn. „Wenn wir Dcis finden und operativ entfernen, können wir die Entstehung von "richtigem", invasivem Brustkrebs verhindern“, betonte die Radiologin. „Wir vermeiden damit die Entstehung einer oftmals lebensgefährlichen Erkrankung.“

Besonders treffsicher erwies sich die Kernspintomographie bei den hochaggressiven Vorstufen. Diese waren im frühen Stadium besonders gut zu sehen und wurden in 98 Prozent der Fälle richtig diagnostiziert. Die Mammographie fand diese so genannten „high grade Dcis“ nur in 52 Prozent der Fälle. Zugleich werde mit dem Vorurteil ausgeräumt, dass die Kernspintomographie häufig zu falschem Alarm führe. Es habe sich im Gegenteil gezeigt, dass die Kernspintomographie sogar etwas seltener einen fälschlicherweise „positiven“ Befund ergeben habe als die Mammographie.

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