Wissenschaft
Kettenreaktionen in wärmerer Nordsee befürchtet

Die aufgeheizte Nordsee ist für den Hamburger Meeresforscher Gerd Becker vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) „ein untrügliches Zeichen für den Klimawandel“.

dpa HAMBURG. Die aufgeheizte Nordsee ist für den Hamburger Meeresforscher Gerd Becker vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) „ein untrügliches Zeichen für den Klimawandel“. Mit 1,7 Grad Celsius über den Durchschnittswerten sei die Nordsee erneut rekordverdächtig warm, sagte der Wissenschaftler am Mittwoch zur Rückkehr des Forschungsschiffes „Gauss“ in den Heimathafen Hamburg.

Der Lebensraum Nordsee werde sich auf Grund des Temperaturanstiegs langsam aber spürbar verändern, meinte Becker. Er habe eigentlich damit gerechnet, dass die seit 1988 anhaltende intensive Warmphase der Nordsee wieder von einer Kaltphase abgelöst werde. Dies hätte dem normalen Wechsel zwischen Warm- und Kaltperioden etwa alle acht bis zwölf Jahre entsprochen.

„Die aktuellen Temperaturmessungen haben aber wieder das Gegenteil bestätigt, nämlich den drittwärmsten Juli seit 1968 sowie eine gespeicherte Wärmeenergie deutlich über dem langjährigen Mittel“, betonte der Wissenschaftler. In der Deutschen Bucht und entlang der Küsten lägen die Temperaturen derzeit sogar drei Grad über den für diese Jahreszeit typischen Durchschnittswerten von 17 Grad.

Mit den veränderten Umweltbedingungen werde sich auch das Artenspektrum bei Tieren und Pflanzen verändern, sagte der Ozeanograph. Jede Art reagiere unterschiedlich auf steigende Temperaturen. Dies habe zur Folge, „dass in der Nordsee häufiger wärmeliebende Arten wie Makrelen angetroffen und andere wie der Kabeljau künftig vertrieben werden“. Gravierender aber seien die Auswirkungen auf das Ökosystem. Wie an Land könnte ein zu frühes Wachstum oder zu spät einsetzendes Absterben bestimmter Pflanzen erhebliche biologische „Kettenreaktionen“ auslösen.

Auf dem Programm der „Gauss“-Fahrt standen auch meereschemische Untersuchungen, um festzustellen, inwieweit die Nordsee durch verschiedene anorganische, organische und radioaktive Schadstoffe belastet ist. Hunderte von Wasser-, Schwebstoff- und Sedimentproben werden nun im neuen BSH-Labor in Hamburg analysiert.

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