Wissenschaft
Kleine Singvögel sind Marathon-Flieger

Purpurschwalben können bei ihren Flügen mehr als 500 Kilometer am Tag zurücklegen. Das sei dreimal so viel wie bislang gedacht, berichten kanadische Biologen in der amerikanischen Fachzeitschrift „Science“ (Bd. 323, S. 896).

dpa WASHINGTON. Purpurschwalben können bei ihren Flügen mehr als 500 Kilometer am Tag zurücklegen. Das sei dreimal so viel wie bislang gedacht, berichten kanadische Biologen in der amerikanischen Fachzeitschrift "Science" (Bd. 323, S. 896).

Bridget Stutchbury und ihre Mitarbeiter von der York Universität in Toronto (Kanada) hatten 14 nordamerikanische Walddrosseln (Hylocichla mustelina) und 20 Purpurschwalben (Progne subis) mit sogenannten Geolokatoren ausgestattet. Diese Geräte sind nur 1,2 Gramm leicht.

"Die Wanderungen kleiner Singvögel konnten bisher mit größeren Geräten wie GPS-Empfänger nicht verfolgt werden", sagen die Forscher. Die Vögel wiegen selbst nur etwa 50 Gramm. Aus den Daten, die die Forscher nach einem Jahr aus den Chips von fünf wiedergefundenen Drosseln und zwei Schwalben gewinnen konnten, errechneten sie die tägliche Position der einzelnen Vögel auf ihrer Reise.

Die Schwalben wanderten nachts an der Ostküste der USA nach Süden, über die Halbinsel Yukatan und weiter bis nach Brasilien. Dabei legten sie zeitweise 500 Kilometer in 24 Stunden zurück, machten aber in Mittelamerika auch wochenlange Ruhepausen. Eine der Schwalben war in 13 Nächten sogar 7 500 Kilometer geflogen, das entspricht einer Tagesleistung von 577 Kilometern.

Die Drosseln flogen tagsüber und blieben im Winter in Mittelamerika. Sie brachten es auf immerhin 233 bis 277 Kilometern pro Tag. Bei der Rückreise im Frühjahr legten beide Arten weniger Pausen ein und wanderten noch schneller. "Die Wanderleistung der kleinen Singvögel ist bisher weit unterschätzt worden", berichtet Stutchbury. "Man glaubte, dass sie nur etwa 150 Kilometer am Tag schaffen".

Mit der neuen Technik könne jetzt erstmals auch der genaue Verlauf der Wanderungen kleiner Vögel verfolgt und damit ihre Gefährdung auf der Reise besser eingeschätzt werden, berichten die Forscher.

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