Wissenschaft
Kleinkinder sind Affen sozial überlegen

Schon Kleinkinder sind den Menschenaffen sozial überlegen. „Was sie von den Affen unterscheidet ist, dass sie imitieren und dadurch viel schneller lernen können“, sagte Esther Herrmann vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

dpa LEIPZIG. Schon Kleinkinder sind den Menschenaffen sozial überlegen. „Was sie von den Affen unterscheidet ist, dass sie imitieren und dadurch viel schneller lernen können“, sagte Esther Herrmann vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Im US-Fachblatt „Science“ (Bd. 317, S. 1 360) vom Donnerstag berichten die Leipziger Forscher über das Ergebnis einer Studie mit 105 zweieinhalb Jahre alten Kindern, 106 Schimpansen und 32 Orang-Utans. Menschen haben ein etwa drei Mal größeres Gehirn als Menschenaffen.

In einem Test etwa demonstrierte ein Forscher, wie man ein Rohr öffnet, um darin steckende Nahrung oder Spielzeug herauszuholen. Die Kinder beobachteten dies und ahmten es nach. Die Schimpansen und Orang-Utans imitierten den Wissenschaftler nicht, sondern versuchten, das Rohr zu zerstören oder den Inhalt mit den Zähnen herauszuholen.

In anderen Versuchen wiesen die Forscher nach, dass die Kinder im Gegensatz zu den Menschenaffen auch nonverbale Kommunikation - etwa per Gesten - deuten können. Die Wissenschaftler versteckten etwas unter einem von zwei Bechern und zeigten auf diesen mit der Hand. Nur die Kinder erkannten dieses Zeichen und fanden das versteckte Spielzeug.

Genauso gut oder sogar überlegen waren hingegen die Schimpansen und Orang-Utans, wenn es um physische Fähigkeiten ging - etwa den Gebrauch von Werkzeugen. Den Affen gelang es zum Beispiel besser, mit einem Stock an weit weg liegendes Futter zu gelangen. Die Kinder hingegen hatten Probleme, mit dem Hilfsmittel Spielzeug zu beschaffen, dass außerhalb ihrer Reichweite lag.

Auch bei einem weiteren Versuch unterlagen die Menschenkinder: Die Wissenschaftler versteckten Leckereien unter einem von drei Bechern und bewegten diese wie bei einem Hütchenspiel hin und her. Bei dem Spiel fanden die Schimpansen das Futter oft eher. „Das hatten wir so nicht erwartet“, sagte Herrmann. „Sie haben verstecktes Futter schneller gefunden, kleine Summen besser addiert und Werkzeuge öfters benutzt. Affen besitzen eine Knobelnatur.“

Allerdings können die Menschen diese Rückstände durch Lernen aufholen. „Weil wir von anderen lernen, Verhalten abschauen und es imitieren, können wir so schnell so viel klüger sein als Affen“, sagte Projektleiter Michael Tomasello. Ein Mensch auf einer einsamen Insel ohne Mitmenschen und Kultur würde dagegen immer auf Affen- Niveau bleiben, da er von keinem lernen könne, vermutet er.

Und Herrmann erläuterte: „Durch das soziale Lernen können sich die Kleinkinder viel einfacher neue Fähigkeiten aneignen, indem sie angeleitet werden und imitieren. Ohne diese Fähigkeiten würden sie sich nicht viel weiter entwickeln als die Affen.“ Die Tests sollen nun mit den anderen Menschenaffen - Bonobos und Gorillas - wiederholt werden.

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