Wissenschaft
Klimaerwärmung rottet viele tropische Frösche aus

Die Klimaerwärmung schafft günstige Wachstumsbedingungen für einen krank machenden Pilz, der daraufhin bereits rund 70 Froscharten in Zentral- und Südamerika ausgerottet hat. Das berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04246).

dpa LONDON. Die Klimaerwärmung schafft günstige Wachstumsbedingungen für einen krank machenden Pilz, der daraufhin bereits rund 70 Froscharten in Zentral- und Südamerika ausgerottet hat. Das berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04246).

„Die Krankheit ist das Geschoss, das die Frösche tötet, aber der Klimawandel drückt den Abzug“, erklärt der Hauptautor der Studie, Alan Ponds vom Tropical Science Center in Costa Rica.

Die Gruppe hatte Berichte über das Verschwinden der farbenfrohen Harlekinfrösche in Mittel- und Südamerika gesammelt, zahlreiche Klimadaten ausgewertet und eine Verbindung hergestellt. Zwei Drittel der Arten starben zwischen den 80er und 90er Jahren aus, heißt es bei den Forschern. Die Amphibien (Stummelfußfrösche, Familie Atelopoidae) verschwanden selbst aus abgelegenen, vergleichsweise unberührten Schutzgebieten.

Alan Ponds sieht es als bewiesen an, dass der Klimawandel zu mehr Wolken über den tropischen Bergen Amerikas führt. Diese sorgten für kühlere Tage und wärmere Nächte, und diese wiederum begünstigten den Pilz (Batrachochytrium dendrobatidis), der am besten zwischen 17 und 25 Grad gedeihe. Der Parasit wächst in der oberen Hautschicht der infizierten Amphibien. Damit wird diese wichtige Barriere gegen Infektionen in Mitleidenschaft gezogen und die Frösche sind anfälliger für weitere Erreger.

„Es gibt eindeutig den dringenden Bedarf, auf saubere Energiequellen umzustellen“, erklärte Ponds mit Blick auf den durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursachten Treibhauseffekt. Dafür müssten ähnlich große Anstrengungen wie für den Bau der ersten Atombombe oder die erste Mondlandung unternommen werden.

Auch für den Menschen ließen diese Ergebnisse die Alarmglocken läuten, schreibt Andrew Blaustein von der Oregon State University (Corvallis/USA) in einem begleitenden „Nature“-Kommentar. Die nun aufgedeckten Zusammenhänge machten das vielfältige Zusammenspiel von Klima, Krankheitserregern und deren Wirten deutlich. Es sei zu befürchten, dass viele weitere Arten - „von der Ameise bis zum Zebra“ - vor ähnlichen Problemen stehen könnten. „Wir sollten das Unerwartete erwarten“, warnt Blaustein daher.

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