Wissenschaft: Kometenstaub erreicht Münster

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Kometenstaub erreicht Münster

„Dieses Stück Alufolie wird uns helfen, die Entstehung unseres Sonnensystems zu erforschen“, sagt Thomas Stephan und schwenkt ein streichholzlanges Glasröhrchen durch die Luft. Erst ganz aus der Nähe ist in dem Gläschen ein schmaler Streifen Aluminiumfolie zu erkennen.

dpa MüNSTER. „Dieses Stück Alufolie wird uns helfen, die Entstehung unseres Sonnensystems zu erforschen“, sagt Thomas Stephan und schwenkt ein streichholzlanges Glasröhrchen durch die Luft. Erst ganz aus der Nähe ist in dem Gläschen ein schmaler Streifen Aluminiumfolie zu erkennen. „1,5 Zentimeter mal drei Millimeter“, sagt Stephan und wirkt dabei wenig beeindruckt. Dabei hält der 42 Jahre alte Wissenschaftler nicht nur den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere in Händen, sondern auch einen Meilenstein der Raumfahrt.

Das Stückchen Alufolie, das am Donnerstagmittag das Institut für Planetologie der Universität Münster erreichte, birgt einen wissenschaftlichen Schatz: An ihm befinden sich winzige Mengen echten Kometenstaubes. Denn das Silberpapier war sieben Jahre lang Teil einer Art Staubfänger, mit dem die Nasa-Sonde „Stardust“ auch Reste des Kometen Wild zwei einsammelte.

Dieser Himmelskörper entstand in der Geburtsstunde unseres Sonnensystems vor etwa 4,6 Mrd. Jahren. „Seither hat er sich kaum verändert“, sagt Jan Leitner (29), der über den Staub seine Doktorarbeit schreiben wird. „Er enthält also die Urbausteine unseres Sonnensystems.“

Genau diese Geheimnisse wollen die beiden Forscher den Krümeln in der Folie nun entlocken - gemeinsam mit etwa 160 anderen Wissenschaftlern weltweit. Dazu werden die Münsteraner schon am Freitag in ihre Staubschutz-Anzüge schlüpfen und mit dem Folienstückchen in den Reinraum gehen. Unter dem Mikroskop suchen sie dann nach winzigen Kratern, die die Staubkrümel beim Einschlag hinterließen. „In den Kratern sind dann auch verdampfte Staubreste“, sagt Leitner.

Und auf diese haben er und Stephan es abgesehen. Um die fest klebenden Teilchen zu lösen, werden sie die Alufolie mit Ionenstrahlen beschießen. „Das ist wie ein feines Sandgebläse“, verdeutlicht Leitner. Ein Teil des kosmischen Staubes fliege daraufhin in einem Vakuum einen Meter hoch. „Während des Fluges sortieren sich die Teilchen nach ihrer Masse“, sagt Stephan. Feine Messgeräte registrieren die genaue Flugzeit und ermöglichen so die Bestimmung der Teilchenmasse. „So bekommen wir heraus, um welches Molekül es sich genau handelt“, sagt Leitner. Auch die Verhältnisse der Elemente zueinander könnten sie berechnen.

Ergebnisse erwarten die Forscher schon ziemlich schnell. Doch erst im März dürfen sie auf einer Konferenz im US-amerikanischen Houston über ihre Erkenntnisse plaudern. So lange hat die Nasa ihnen striktes Stillschweigen verordnet. „Bis dahin werden wir auch nichts weiter verraten“, sagt Stephan, lacht und geht mit seiner Probe ins Labor.

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