Wissenschaft
Kometenstaub liefert Einblicke ins junge Sonnensystem

Die spektakuläre Mission der Raumsonde Stardust liefert neue Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems. Demnach besteht der Komet Wild zwei nicht allein aus dem Material vom fernen Rand des Sonnensystems, sondern trägt auch mineralische Bestandteile aus dessen heißen Zentrum.

dpa WASHINGTON. Die spektakuläre Mission der Raumsonde Stardust liefert neue Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems. Demnach besteht der Komet Wild zwei nicht allein aus dem Material vom fernen Rand des Sonnensystems, sondern trägt auch mineralische Bestandteile aus dessen heißen Zentrum.

Das berichtet eine Gruppe internationaler Forscher im Journal „Science“ (Bd. 314, S. 1 708) und bestätigt damit die ersten Analysen des Materials. Bislang gingen die Experten davon aus, dass der Geburtsort von Kometen vor 4,6 Mrd. Jahren ausschließlich am Rand unseres Sonnensystems lag, in der kalten Region jenseits von Neptun und Pluto.

„Das ist so überraschend wie einen Stein aus Neuseeland in seinem Vorgarten zu finden“, erklärte der Leiter der Untersuchung, der Astronomie-Professor Don Brownlee aus Seattle. Seit den Mondmissionen der 1970er Jahre waren keine festen Bestandteile von Himmelskörpern mehr aus dem All zur Erde gebracht worden. Kometen, die Grundbausteine der Herausbildung unseres Sonnensystems vor etwa 4,6 Mrd. Jahren enthalten, sind nach den neuen Erkenntnissen wesentlich komplexere Gebilde als bislang angenommen.

Die Astronomen untersuchten den feinen Kometenstaub, den Stardust („Sternenstaub“) im Januar 2004 eingesammelt und in einer 4,6 Mrd. Kilometer langen Reise zielgenau zur Erde gebracht hatte. Die aufwendige Mission dauerte sieben Jahre und brachte rund 1 000 feine Krümel aus der Staubwolke des Kometen in die irdischen Labors - insgesamt etwa ein tausendstel Gramm.

Bis zu einem Zehntel der Mineralien aus dem Kometenstaub seien bei der Entstehung des Himmelskörpers mehr als 1 700 Grad Celsius heiß gewesen, heißt es in „Science“. Deshalb müssen sie aus dem inneren Sonnensystem herausgeschleudert worden seien, folgern die Wissenschaftler. Das bedeute, dass sich bei der Entstehung des Sonnensystems viel mehr Stoffe miteinander gemischt hätten als bislang angenommen, sagte Brownlee. Wie genau diese Durchmischung stattgefunden habe, sei aber noch unklar.

Stardust wurde 1999 gestartet und durchflog die Staubwolke des Kometen P81/Wild zwei im Januar 2004. Das Gerät bremste und sammelte die Körnchen in einem feinen Gel und brachte sie im Januar 2006 zur Erde. Die Expedition kostete rund 168 Mill. Dollar (127 Mill. Euro). Mehr als 200 Forscher untersuchen den Staub seither mit verschiedenen Techniken - darunter auch Wissenschaftler des Mainzer Max-Planck-Institutes für Chemie und der Universität Münster.

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