Wissenschaft
Krebsrisiko deutscher Uranbergarbeiter langfristig erhöht

Das Lungenkrebsrisiko ehemaliger Bergarbeiter aus den Uranminen der DDR ist bis heute deutlich erhöht. Das hat die weltweit größte Studie zu diesem Thema mit rund 59 000 ehemaligen Uran-Kumpeln der deutsch-sowjetischen Wismut AG ergeben.

dpa SALZGITTER/LONDON. Das Lungenkrebsrisiko ehemaliger Bergarbeiter aus den Uranminen der DDR ist bis heute deutlich erhöht. Das hat die weltweit größte Studie zu diesem Thema mit rund 59 000 ehemaligen Uran-Kumpeln der deutsch-sowjetischen Wismut AG ergeben.

Die Krebsgefahr nehme langsamer ab als angenommen, schreiben die Forscher um Bernd Grosche vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in ihrer Studie, die am Dienstag vom „British Journal of Cancer“ im Internet veröffentlicht wurde. Diese Ergebnisse seien angesichts des Ausbaus des Uranerzbergbaus in Australien und Afrika von besonderer Bedeutung.

Von den Studienteilnehmern, die zwischen 1946 und 1990 im Erzgebirge und in Thüringen beschäftigt waren, starben während der Untersuchungsdauer (1946 bis 1998) 2 388 an Lungenkrebs. Das höchste Lungenkrebsrisiko stellten die BfS-Forscher in der Zeit zwischen 15 und 24 Jahren nach der Belastung fest. Insgesamt rechnen sie mit rund 7 000 Lungenkrebstoten unter den 59 000 Studienteilnehmern. Deren Lungenkrebsrisiko sei verglichen mit Menschen, die unter vergleichbaren Arbeitsbedingungen aber ohne Strahlenbelastung gearbeitet haben, um durchschnittlich 50 Prozent erhöht. Bei Arbeitern, die ausschließlich unter Tag beschäftigt waren, erhöhte sich das Risiko sogar um etwa 70 Prozent.

Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien, die ein zunehmendes Krebsrisiko mit steigender Strahlenbelastung zeigen. Allerdings bleibt dieses Risiko länger als bislang angenommen bestehen. „Die bisherige Annahme, dass das Risiko mit zunehmender Zeit nach Exposition deutlich abnimmt, muss korrigiert werden“, betonte BfS- Präsident Wolfram König.

Lungenkrebs ist in Deutschland bei Uranbergarbeitern eine anerkannte Berufskrankheit. Bis zum Jahr 1999 hatten über 7 500 Arbeiter eine entsprechende Rente erhalten, jährlich werden etwa 200 neue Fälle registriert, berichten die BfS-Forscher. Insgesamt waren rund 500 000 Kumpel im Erzgebirge und in Thüringen im Uranabbau beschäftigt, um Material für die Atomwaffenproduktion der Sowjetunion zu beschaffen. Vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler auf der 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin das Wismut-Werk als den „drittgrößten Schadensfall“ der Welt durch radioaktive Strahlung nach Tschernobyl und Hiroschima bezeichnet.

(Berichtigung: Im zweiten Absatz, erste Zeile wurde korrigiert: „...die zwischen 1946 und 1990 (statt: 1998) im Erzgebirge...“; entsprechend wurde die Studiendauer (1946 bis 1998) in der dritten Zeile ergänzt. Im vierten Absatz, dritte Zeile wurde korrigiert: „...eine entsprechende Rente (statt: Abfindung) erhalten...“.)

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