Wissenschaft
Kühles Klima beschert Löwen die schönsten Mähnen

Nichts verhilft einem Löwen so verlässlich zur Traummähne wie ein kühles Klima. Weder gute Ernährung noch das Alter oder der Rang des Löwen sind so wichtig für das Wachstum seiner Mähne wie das Klima, in dem er lebt.

dpa NEW YORK. Nichts verhilft einem Löwen so verlässlich zur Traummähne wie ein kühles Klima. Weder gute Ernährung noch das Alter oder der Rang des Löwen sind so wichtig für das Wachstum seiner Mähne wie das Klima, in dem er lebt.

Amerikanische Biologen legten das Maßband bei 19 ausgewachsenen Raubtieren in 17 US-Zoos an. Sie wiesen nach, dass kühlere Breitengrade die Haarpracht von Löwen um die Hälfte dichter und länger werden lassen. Diese Daten veröffentlicht das Team um den Säugetierexperten Bruce Patterson vom Field Museum in Chicago im US-Journal „Mammology“ von diesem Donnerstag. Ähnliche Beobachtungen hatten Forscher auch bereits in Afrika gemacht.

Löwen brauchen ihre Mähne vor allem, um weibliche Tiere zu beeindrucken und zur Paarung zu gewinnen. Außerdem hilft sie ihnen, Konkurrenten einzuschüchtern, erläutern die Forscher. Der Preis für die Pracht ist aber hoch: Ihr Wachstum kostet viel Energie. Eine volle Mähne verrät den Löwen außerdem leichter beim Anschleichen auf Beute, macht es ihm schwer, sich durch Strauchwerk zu zwängen und bietet einen reichen Nährboden für Parasiten.

Dichte Mähnen sorgen ähnlich wie ein Kopftuch oder eine Pelzmütze dafür, dass keine Körperwärme entweicht. Das hilft den Tieren bei frostigen Wintertemperaturen. In wärmeren Breitengraden aber, etwa im texanischen Houston, wird die volle Mähne zur Last und lichtet sich nach Erkenntnis der US-Biologen automatisch. „Natürlich ist eine große Mähne imposant. Aber in heißen, trockenen Klimazonen, die ein Überhitzungsrisiko bergen, (...) haben manche Löwen nur noch wenig oder gar keine Mähne mehr“, kommentierte Patterson. Eine solche Ausnahme ist aus dem kenianischen Tsavo bekannt, wo Löwen angesichts der klimatischen Bedingungen ganz auf ihre Haarpracht verzichten.

Eine Verbindung zwischen Klima und Mähne hatte auch bereits Pattersons Museumskollege Tom Gnoske in Afrika festgestellt. Sein Team hatte vier Jahre lang Löwengruppen in verschiedenen afrikanischen Lebensräumen beobachtet und Museumsexponate ausgestorbener Löwenpopulationen sowie ebenfalls Zoo-Tiere untersucht. Auch dabei stellten die Forscher fest: Je wärmer die Umgebung ist, desto spärlicher ist der Haarwuchs. Außerdem vermeiden aber rangniedrige Löwenmännchen ohne eigenes Rudel mit ihrer unauffälligen Haarpracht auch gefährliche Kämpfe. Da sie eher aussehen wie Weibchen oder Jungtiere werden sie von den Rudelführern nicht ernst genommen.

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