Wissenschaft
Lähmung im Rückgrat mit embryonalen Stammzellen behoben

US-Forscher haben gelähmten Ratten mit Hilfe von embryonalen Stammzellen und wachstumsfördernden Substanzen wieder das Laufen ermöglicht. Ihnen gelang es, die unterbrochene Verbindung zwischen den Nerven im Rückgrat und den Muskeln neu herzustellen.

dpa BALTIMORE/NEW YORK. US-Forscher haben gelähmten Ratten mit Hilfe von embryonalen Stammzellen und wachstumsfördernden Substanzen wieder das Laufen ermöglicht. Ihnen gelang es, die unterbrochene Verbindung zwischen den Nerven im Rückgrat und den Muskeln neu herzustellen.

Der federführende Neurologe, Douglas Kerr von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, feierte die Arbeit am Donnerstag als schlagenden Beweis für das Heilpotenzial von Stammzellen. Die Heilung der Tiere sei „bedeutend, wenn auch nicht vollkommen“. Bis zum Einsatz am Menschen werden voraussichtlich noch Jahre vergehen.

Der Ansatz könnte einmal zur Behandlung von Krankheiten wie der Multiplen Sklerose (MS) und der Amyotrophischen Lateralsklerose (ALS) sowie auch Querschnittslähmungen führen. „Mit kleinen Veränderungen (...) kann dieser Weg auch bei Patienten mit der Parkinsonschen Krankheit oder dem Huntington-Leiden angewandt werden“, sagte Karr. Die Studie soll am kommenden Montag in den „Annals of Neurology“ veröffentlicht werden.

Der Direktor der Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) in Bethesda, Elias Zerhouni, lobte sie als „beachtlichen Fortschritt, der uns zeigt, wie Stammzellen ihr großes Versprechen einlösen können“.

Das Team um Kerr hatte Ratten mit dem aggressiven Dindbis-Virus infiziert, das die Nerven im Bewegungssystem von Nager attackiert und zerstört. Nach der Behandlung mit embryonalen Stammzellen und dem Wirkstoff-Cocktail erholten sich elf der 15 Ratten so weit, dass sie die zuvor gelähmten Beine wieder bewegen und die Körperlast tragen konnten.

Die Forscher behandelten embryonalen Stammzellen von Mäusen mit Wachstumsfaktoren, um sowohl die Überlebensfähigkeit der Zellen und ihre Spezialisierung in Nervenzellen des Bewegungssystems zu fördern. Dann fügten sie Retinolsäure und ein bestimmtes Eiweiß (sonic hedgehog protein) zu der Kultur. Diese beide Substanzen bereiteten die Stammzellen weiter auf die Übernahme ihrer Funktion im Nervenkreislauf vom Rückgrat zu den Muskeln vor. Anschließend wurden die vorbehandelten Stammzellen in die Wirbelsäule der gelähmten Ratten gespritzt.

Vor dem Johns-Hopkins-Team hatten im Jahr 2003 auch kalifornische Forscher schon gelähmte Ratten wieder zum Laufen gebracht. Sie verwendeten Nervenzellen, die aus embryonalen Stammzellen vom Menschen gezüchtet wurden. Diese Forscher von der Universität von Kalifornien in Irvine ließen aus den menschlichen Stammzellen Nervenzellen wachsen, so genannte Oligodendrozyten. Diese bilden die Myelin-Schutzschicht, die für die Weitergabe von Nervenimpulsen wichtig ist. Neun Wochen nach der Einpflanzung dieser Nervenzellen in das verletzte Rückgrat konnten die Tiere wieder problemlos laufen. Auch gelähmte Mäuse hatten Forscher der John Hopkins Universität durch die Injektion von Stammzellen in die Wirbelsäule bereits erfolgreich behandelt.

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