Wissenschaft
Malariamittel Artemisinin stößt auf resistente Erreger

Der unkontrollierte Gebrauch des erfolgreichen Malariamittels Artemisinin macht es möglicherweise unwirksam. Wissenschaftler haben Resistenzen gegen den Wirkstoff bei Malariaerregern in Ländern gefunden, wo es unkontrolliert verabreicht wird.

dpa LONDON. Der unkontrollierte Gebrauch des erfolgreichen Malariamittels Artemisinin macht es möglicherweise unwirksam. Wissenschaftler haben Resistenzen gegen den Wirkstoff bei Malariaerregern in Ländern gefunden, wo es unkontrolliert verabreicht wird.

Die Forscher der Pasteur-Institute untersuchten Blutproben von 530 Patienten aus dem Senegal, Französisch Guiana und Kambodscha, wie sie im britischen Fachjournal „The Lancet“ (Bd. 366, S. 1960) von diesem Samstag berichten. „Alle widerstandsfähigen Erreger kamen aus Gebieten mit unkontrolliertem Gebrauch von Artemisinin-Derivaten“, erläutert Ronan Jambou vom Pasteur-Institut in Dakar (Senegal).

Der von Mücken übertragene Malariaparasit tötet nach UN-Angaben mindestens eine Million Menschen im Jahr. Fast alle der jährlich mehr als 300 Mill. Krankheitsfälle treten in tropischen und subtropischen Ländern auf. Gegen klassische Malariamedikamente wie Chloroquin sind bereits immer mehr Malariaparasiten resistent.

Artemisinin, das auf der Heilpflanze Beifuß (Artemisia annua) beruht, erwies sich bereits vor 30 Jahren als viel versprechendes Mittel auch gegen resistente Malariaerreger. Die Natursubstanz lässt sich jedoch nur mit aufwendigen Mitteln aus dem Beifuß isolieren und wird vom Körper zudem nicht besonders gut aufgenommen. Im vergangenen Jahr hatte ein internationales Forscherteam ein aussichtsreiches synthetisches Präparat nach dem pflanzlichen Vorbild präsentiert.

Im Senegal und in Französisch Guiana werden Artemisinin-Präparate unkontrolliert verabreicht. Dort stießen die Forscher auf Resistenzen - im Unterschied zu Kambodscha, wo diese Mittel begrenzt eingesetzt werden. US-Forscher nannten dieses Ergebnis einen „Weckruf“. „Artemisinin-Resistenzen könnten tatsächlich durch den unkontrollierten Gebrauch von Artemisinin als Einzeltherapie oder in Verbindung mit unwirksamen Partnern hervorgerufen werden“, schreiben die Washingtoner Wissenschaftler Patrick Duffy und Carol Silbey in einem begleitenden Kommentar in „The Lancet“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%