Wissenschaft
Malariaparasiten reisen in toten Zellen wie in Trojanischem Pferd

Wie in einem Trojanischen Pferd reisen Malariaparasiten in abgetöteten Leberzellen durch den Blutstrom. Das berichten Wissenschaftler des Hamburger Bernhard Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) im US-Fachjournal „Science“ (Online-Vorabveröffentlichung).

dpa HAMBURG/WASHINGTON. Wie in einem Trojanischen Pferd reisen Malariaparasiten in abgetöteten Leberzellen durch den Blutstrom. Das berichten Wissenschaftler des Hamburger Bernhard Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) im US-Fachjournal „Science“ (Online-Vorabveröffentlichung).

„Wir waren erstaunt, dass die Parasiten sogar noch in toten Zellen überleben“, erläuterte BNI-Forscher Volker Heussler. Die Wissenschaftler hatten sich mit dem bisher wenig erforschten Leberstadium des Malariaparasiten beschäftigt, der von Stechmücken übertragen wird. Anders als beim Blutstadium wüssten in diesem Fall die fieberfreien Patienten noch gar nicht, dass sie infiziert sind.

„Innerhalb weniger Minuten nach dem Mückenstich bohren sich die Malariaerreger in die Gefäßwände der Leber ihres Wirts“, erläuterte Heussler. Dort werden in wenigen Tagen aus einem Parasiten bis zu 40 000. In dieser Zeit verhindert der Erreger den Tod seiner Wirtszelle. Will er aus der Leber zurück in die Blutbahn, tötet der Parasit die Zelle, wie der Tropenmediziner erklärte.

Zum Erstaunen der Forscher platzt die Zelle dabei aber nicht wie erwartet auf, sondern löst sich komplett ab und schwimmt im Blutstrom davon. Tote Zellen werden normalerweise von den Fresszellen des Immunsystems sofort entfernt. Die Parasiten unterdrücken jedoch die „Friss mich“-Signale der toten Leberzellen, so dass diese für die Fresszellen nicht sichtbar sind. Heussler: „Durch dieses Trojanische-Pferd-System kommt der Parasit von der Leber wieder in die Blutbahn.“ Schließlich verlässt der Parasit sein Tarnkappen-Taxi und infiziert die roten Blutkörperchen, in denen er sich weiter vermehrt. In der Folge platzen die Blutzellen auf, was dann zu den typischen Malariasymptomen mit Schüttelfrost und Fieber führt.

An dem Forschungsprojekt waren laut Heussler auch Wissenschaftler des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf und des Pasteur-Instituts in Paris beteiligt. In Frankreich sei nachgewiesen worden, dass die Hamburger Forscher kein Ausnahmeverhalten von Malariaparasiten entdeckt hatten, sondern dass die Erreger generell so vorgehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%