Wissenschaft
Meere bieten großes Potenzial für medizinische Wirkstoffe

In den Meeren der Welt schlummern nach Angaben von Mikrobiologen noch ungeahnte Quellen für neue medizinische Wirkstoffe. Nur ein Prozent der marinen Mikroorganismen könnten mit den herkömmlichen Methoden der Mikrobiologie kultiviert werden.

dpa GREIFSWALD. In den Meeren der Welt schlummern nach Angaben von Mikrobiologen noch ungeahnte Quellen für neue medizinische Wirkstoffe. Nur ein Prozent der marinen Mikroorganismen könnten mit den herkömmlichen Methoden der Mikrobiologie kultiviert werden.

Das sagte der Greifswalder Mikrobiologe Thomas Schweder am Mittwoch bei einer internationalen Tagung zur marinen Biotechnologie der Nachrichtenagentur dpa. „Marine Mikroorganismen leben in sehr komplexer Wechselwirkung mit anderen Organismen.“ Deshalb sei es schwierig, diese Organismen herauszulösen und im Labor zu kultivieren. In einem Milliliter Seewasser leben schätzungsweise eine Million Mikroorganismen.

Rund 130 Forscher aus Deutschland, den USA, Japan und China beraten bis Freitag über Wirkstoffe von Bakterien und Mikroalgen aus den Tiefen der Meere. Laut Schweder haben Mikrobiologen bei diesen Meeresorganismen bereits Stoffe nachgewiesen, die gegen Infektions- und Tumorerkrankungen wirken. Große Hoffnungen setzten die Experten in die funktionelle Genomforschung. Mit Hilfe der Genomsequentierung könne auch der Bauplan von 99 Prozent der marinen Mikroorganismen entschlüsselt werden, die sich nicht kultivieren ließen, sagte Schweder.

Wissenschaftler des Greifswalder Instituts für marine Biotechnologie haben nach Angaben Schweders bereits den Bauplan eines Bakteriums untersucht, das in einer lebensfeindlichen Umwelt in 2 500 Metern Tiefe in der Nähe von hydrothermalen Tiefseequellen, so genannten „black smokers“, in Symbiose mit einem Röhrenwurm lebt. Pharmazeuten in der Hansestadt hätten dabei Wirkstoffe nachgewiesen, die antibakteriell und zytostatisch wirkten.

Die Genomforschung sei eine völlig neue Herangehensweise in der Biotechnologie. So könnten aus den nicht kultivierbaren Bakterien mit Hilfe dieser neuartigen Methoden die Gene herausgelöst werden, die für die Wirkstoffe verantwortlich seien. Diese könnten dann in leicht zugänglichen Organismen eingebaut und die Wirkstoffe in herkömmlichen Bioreaktoren produziert werden. Auf der Tagung stellen Wissenschaftler zudem Ansätze vor, wie in der pharmazeutischen Industrie Medikamente aus den Wirkstoffen in einem vertretbaren ökonomischen Rahmen produziert werden können.

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