Wissenschaft
Meilenstein der Archäologie: Sonnenobservatorium Goseck rekonstruiert

Mit der abgeschlossenen Rekonstruktion des ältesten Sonnenobservatoriums der Welt in Goseck (Sachsen-Anhalt) präsentiert sich die Anlage zur Wintersonnenwende am 21. Dezember wie vor 7 000 Jahren.

dpa GOSECK. Mit der abgeschlossenen Rekonstruktion des ältesten Sonnenobservatoriums der Welt in Goseck (Sachsen-Anhalt) präsentiert sich die Anlage zur Wintersonnenwende am 21. Dezember wie vor 7 000 Jahren.

Das Ende der Rekonstruktion wird mit einer Licht- und Feuershow gefeiert, zu der tausende Besucher erwartet werden. Die Anlage aus der Jungsteinzeit gilt als Meilenstein in der Archäologie und Astronomie.

Spuren der Anlage waren 1991 bei einem Erkundungsflug eines Luftbildarchäologen entdeckt worden. Das Sonnenobservatorium diente den Menschen in der kalenderlosen Zeit vor 7 000 Jahren unter anderem für die Bestimmung von Winter- und Sommersonnenwende, was für die Landwirtschaft wichtig war.

„Wir können die Anfänge der menschlichen Himmelsbeobachtungen nachvollziehen und wissen auch, dass die Astronomie Jahrtausende vor den ersten Hochkulturen an Euphrat und Tigris in Europa begann“, sagt der Leiter des Institutes für prähistorische Archäologie der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg, François Bertemes.

Beim Sonnenobservatorium handelte es sich um eine Kreisgrabenanlage mit einem Durchmesser von 75 Meter. Das Areal war von zwei jeweils etwa zweieinhalb Meter hohen Holz-Palisadenzäunen umgeben. Zudem war das Ganze von einem fast 1,50 Meter tiefen und 3,50 Meter breiten Graben mit vorgelagertem Erdwall umfasst. Die Anlage verfügte über drei Tore und spezielle Aussparungen im Holzpalisadenzaun als Visiereinrichtungen. Mit Hilfe der Tore und Visiere konnten die Steinzeitmenschen den längsten und den kürzesten Tag des Jahres festlegen.

Archäologe Bertemes ist sicher, dass diese Bestimmung der Sonnenwenden mit rituellen Feiern einherging. Die bäuerliche Gesellschaft huldigte einer Fruchtbarkeitsreligion. Zu den Feiern gehörten Hochzeiten oder die Aufnahme eines Kindes in den Kreis der Erwachsenen. „Aber Goseck war nicht nur Observatorium und heiliger Ort sondern auch Markt-, Richt- und Bestattungsplatz sowie letzte Zuflucht und Rückzugsmöglichkeit im Kriegsfall“, sagte Bertemes.

Auf dem 6 000 Quadratmeter großen Areal hatten die Archäologen in zwei Opfergruben zudem die Reste menschlicher Knochen gefunden. In allen Gruben muss mehrmals ein starkes Feuer gelodert haben, aber die Asche wurde vollständig entfernt. Dies könnte auf Menschenopfer hindeuten. Zudem fanden die Archäologen hunderte Tonscherben und eine Vielzahl von Rinderknochen.

Der Astronomieexperte Wolfhard Schlosser von der Ruhr-Universität in Bochum sieht enge Beziehung zwischen dem Observatorium in Goseck und der „Himmelsscheibe von Nebra“, die mit 3 600 Jahren deutlich jünger ist. „Goseck und die Himmelsscheibe zeigen die gleichen astronomischen Erkenntnisse, das eine ist ein große Holzanlage und das andere eine handliche Metallscheibe“, sagt Schlosser. Goseck liegt nur 25 Kilometer vom Fundort der Scheibe entfernt, die als archäologischer Sensationsfund gilt und die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt zeigt.

Die Anlage in Goseck steht in einer Reihe mit etwa 200 vergleichbaren vorgeschichtlichen Anlagen der europäischen Jungsteinzeit und Bronzezeit in Mitteleuropa. Davon liegen 18 Kreisanlagen im südlichen Sachsen-Anhalt. Der jüngste und bekannteste Kreis ist die steinerne Anlage im englischen Stonehenge, die vor etwa 3 600 Jahre genutzt wurde.

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