Wissenschaft
Mensch und Maschine rücken immer näher

Die Hirnforschung lässt aus Expertensicht in den kommenden Jahren Science-Fiction-Visionen vom Zusammenspiel von Mensch und Maschine wahr werden. Derzeit könnten einige Menschen ihren Computer bereits nur mit der Kraft ihrer Gedanken steuern.

dpa BAD NAUHEIM. Die Hirnforschung lässt aus Expertensicht in den kommenden Jahren Science-Fiction-Visionen vom Zusammenspiel von Mensch und Maschine wahr werden. Derzeit könnten einige Menschen ihren Computer bereits nur mit der Kraft ihrer Gedanken steuern.

Das sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung, Professor Manfred Kaps, im mittelhessischen Bad Nauheim. Auf umgekehrtem Wege könnten Ärzte mit Hilfe von eingepflanzten Elektroden im Gehirn eines Menschen Einfluss auf dessen Stimmung und Bewegungsfähigkeit nehmen.

„Das wirft alles natürlich auch ethische Fragen auf“, sagte Kaps. Bei der 50. Jahrestagung der Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie diskutieren in Bad Nauheim noch bis zum Sonntag 1 500 Wissenschaftler über die Zukunft der Hirnforschung und mögliche ethische Probleme.

Ein italienischer Wissenschaftler will laut Kaps beispielsweise die erste Langzeitstudie mit Patienten vorstellen, die Elektroden im Gehirn tragen, um Krankheiten wie Parkinson zu lindern. „Das kann man sich wie einen Hirnschrittmacher vorstellen.“ Die Patienten bekommen bei vollem Bewusstsein haarfeine Elektroden in das Gehirn gepflanzt. Ein Gerät unter der Haut sendet dann Stromstöße, die bestimmte Schaltkreise im Hirn blockieren. „Menschen, die vorher so stark zitterten, dass sie nicht mal eine Tasse halten konnten, können dann wieder normal Kaffee trinken.“ Mit diesem System könnten auch psychische Störungen wie Waschzwang behandelt werden.

Theoretisch ist es mit dieser Technik aus Sicht von Kaps möglich, sehr großen Einfluss auf Gefühle und Bewegungen von Menschen zu haben - als Nebenwirkung löst bei manchen Elektroden-Patienten die Stimulation Depressionen aus. „Es ist ein wichtiger Punkt, diese Konsequenzen zu beachten, die auch in den ethischen Bereich gehen.“

Umgekehrt können Menschen laut Kaps inzwischen auch Einfluss auf Maschinen ausüben, beispielsweise nur mit Gedanken einen Computer- Cursor steuern. „Für Gelähmte ist das ein neues Tor zur Außenwelt.“ Die Bewegung per Gedanke müsse wie eine neue Fertigkeit erlernt und geübt werden. Die Technik könnte in Zukunft möglicherweise auch in der Wehrtechnik genutzt werden.

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