Wissenschaft
Mozart macht Kinder nicht klüger

Es war eine wissenschaftliche Sensation: 1993 fanden Forscher heraus, dass Mozart die räumliche Vorstellungskraft steigert. In der Presse wurde daraus schnell die Annahme, dass Musik schlau macht. Aber das stimmt so nicht.
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DÜSSELDORF. Macht Musik klug? Thesen wie diese tauchen immer wieder auf. Lutz Jäncke glaubt zu wissen, warum: "Ein Urtraum der Menschen ist es, ganz einfach und nebenbei das Komplizierteste zu lernen."

Gerade zum Thema "Musik und Lernen" geisterten unsinnige therapeutische Maßnahmen herum, die versuchten, den Anschein der Wissenschaftlichkeit zu erwecken, meint der Züricher Neuropsychologe. "Dagegen gibt es viele richtige und wichtige Zusammenhänge, die im Rauschen der unsinnigen Interpretationen untergehen." Das hat ihn so geärgert, dass er in seinem ersten populärwissenschaftlichen Buch "Macht Musik schlau?" (Verlag Hans Huber, 2008) nun beschreibt, wie ein solcher wissenschaftlicher Diskurs überhaupt geführt wird: wie und wo Forscher publizieren, wie Studien aufgebaut sind und welche Tücken das System hat. Ambitioniert beschreibt Jäncke Ergebnisse, die in den letzten Jahren in der Presse für Furore sorgten. Dabei beginnt er mit einem der bekanntesten Phänomene: dem Mozart-Effekt.

Im Jahr 1993 hatten die Psychologen Frances Rauscher und Katherine Ky gemeinsam mit dem Physiker Gordon Shaw in der Zeitschrift "Nature" einen vielbeachteten Artikel veröffentlicht. Den Ergebnissen ihrer Studie zufolge zeigten Studenten kurzfristig bessere räumliche Fähigkeiten, nachdem sie zehn Minuten lang Mozart-Musik gehört hatten. Dieser Effekt wurde in der Öffentlichkeit bald als der Mozart-Effekt bekannt.

Der Studie lag ein mathematisches Modell von Shaw zugrunde, das ähnliche Hirnaktivitäten beim Spielen von Musik und beim räumlich-visuellen Denken suggerierte. Musikhören sollte demnach bestimmte Hirnregionen auf die Aufgaben "vorbereiten". Shaw ging davon aus, dass räumliche Vorstellungskraft wichtig für viele Intelligenzleistungen sei. Vorherige Experimente hatten etwa gezeigt, dass Zahlen im Gehirn auf einem Zahlenstrahl von links nach rechts angeordnet sind.

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