Wissenschaft
Neandertaler in harten Zeiten möglicherweise Kannibalen

Die Neandertaler wurden in besonders harten Zeiten womöglich zu Kannibalen - darauf deuten neue Untersuchungen an Knochenfunden hin.

dpa WASHINGTON. Die Neandertaler wurden in besonders harten Zeiten womöglich zu Kannibalen - darauf deuten neue Untersuchungen an Knochenfunden hin. Spanische Forscher analysierten 43 000 Jahre alte Neandertaler-Fossilien aus Nordspanien und veröffentlichen ihre Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften.

Demnach fanden sich an den Knochen Schnittspuren und Bruchstellen, die auf Kannibalismus hinwiesen. Zudem zeigte eine Untersuchung von Zähnen einiger Neandertaler, dass diese in ihren Wachstumsjahren mehrere Phasen der Mangelernährung erlebt hatten, berichten die Forscher.

An kindlichen Schädelknochen entdeckte die Gruppe um Antonio Rosas vom Nationalen Naturwissenschaftlichen Museum (Csic) in Madrid Schnittspuren, die auf eine Häutung hinwiesen. Zerlegungsspuren zeigten sich vor allem an langen Knochen wie Elle, Speiche oder Oberschenkel.

Um diese Hinweise auf Kannibalismus stichhaltig zu belegen, müssten die Spuren an den Knochen der Neandertaler allerdings mit solchen an tierischen Knochen verglichen werden, erklären die Forscher. Dies sei in der vorliegenden Studie nicht möglich gewesen, weil keine Tierüberreste gefunden wurden. Sichere Aussagen über Kannibalismus könnten daher nicht getroffen werden, betonen Rosas und seine Kollegen.

Dennoch deuten sie Funde klar darauf hin, dass zumindest Knochenmark und Gehirn genutzt wurden. Das wäre angesichts der offensichtlich schwierigen Ernährungslage der Neandertaler auch durchaus begründet, meinen die Forscher.

Rosas und seine Kollegen fanden außerdem neue Belegen für die Theorie, dass es in Europa verschiedene, geographisch getrennte Neandertalergruppen gegeben hat. Demnach zeichne sich die südeuropäische Population unter anderem durch eine breitere und flachere Gesichtsform aus.

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